Falsche Anzeigen: Betrug am Wohnungsmarkt

19.11.2019 | 02:10 Uhr

Lupe und Rotstift über der Zeitungsrubrik Wohnraumvermietungen 1 min
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MDR JUMP Di 19.11.2019 02:10Uhr 01:01 min

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Die Zeiten, in denen die Wohnungssuche einfach war, sind in den allermeisten Großstädten vorbei. Für Betrüger eine Chance: Wer verzweifelt eine Wohnung sucht, ist eher bereit, Daten oder gar Geld im Voraus herauszugeben.

Die Maschen der Betrüger

Es fängt eigentlich immer gleich an: Bei der Wohnungssuche im Internet stößt man auf eine Annonce mit schönen Bildern einer Wohnung, möbliert ist sie auch. Die verlangte Miete liegt in der Regel unter den ortsüblichen Preisen: ein echtes Schnäppchen also. Viele Betrüger geben Namen real existierender Immobilienfirmen, oft mit Sitz im Ausland, an. Das soll beim Interessenten, der einen Anbieter oder eine Adresse im Internet sucht, Vertrauen schaffen.

Das Unternehmen, dessen Name herhalten muss, weiß von diesem Vorgehen in der Regel nichts. Unter falscher Identität wird dann unter anderem auch der Besichtigungstermin vereinbart.

Barbara Schmid, Sprecherin des Online-Portals Immowelt
Fassaden von Altbauwohnung
Wenn attraktive Wohnungen zu unschlagbaren Mietpreisen angeboten werden, sollten Suchende vorsichtig werden. Bildrechte: imago/Westend61

Einige Betrüger haben es vor allem auf die Daten der Wohnungssuchenden abgesehen. Sie verlangen etwa Namen und Anschrift, um mit diesen Daten und einer falschen Kontonummer Verträge abzuschließen. Andere sind direkt auf das Geld der Interessenten aus. Es wird beispielsweise zur Reservierung eines Besichtigungstermins eine Zahlung verlangt. Nach Einschätzungen von Immowelt ist dieser Vorkassenbetrug die häufigste Masche.

Andere Betrüger gehen noch dreister vor: Sie geben sich als Makler aus und vereinbaren einen Besichtigungstermin, etwa in einer angemieteten Airbnb-Wohnung, der auch tatsächlich stattfindet. Am Ende kommt es zu einer Vertragsunterzeichnung. Die Überweisung der Kaution wird dann innerhalb weniger Tage noch vor der Schlüsselübergabe verlangt.

Was Wohnungsportale gegen die Anzeigen tun

Verlässliche Daten über die Anzahl der Betrugsfälle mit falschen Wohnungsinseraten gibt es nicht. Die Landeskriminalämter führen keine gesonderte Statistik zu dieser Art des Betrugs; die Wohnungsportale wollen keine Zahlen preisgeben. ImmobilienScout24 teilt dazu mit: "In einem Markt, an dem das Angebot knapp ist und Menschen Schwierigkeiten haben, ein Zuhause zu finden, möchten wir nicht zur Verunsicherung beitragen. Deshalb veröffentlichen wir keine Details oder Zahlen zu Betrugsfällen."

Rechercheteam
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Klar ist aber: Betrügerische Anzeigen scheinen bei den Portalen durchaus ein wichtiges Thema zu sein. Bei ImmobilienScout24 arbeiten nach eigenen Angaben rund 40 Mitarbeiter in der Qualitätssicherung und überprüfen verdächtige Anzeigen. Auch Immowelt beschäftigt ein "Sicherheitsteam" aus rund 50 Mitarbeitern, um entsprechende Anzeigen zu bekämpfen. Beide Portale arbeiten darüber hinaus mit künstlicher Intelligenz, um verdächtige Anzeigen herauszufiltern. "Heute entdecken wir rund 90% des versuchten Betruges, bevor er überhaupt online geht", sagt Tobias Frank, Sprecher von ImmobilienScout24.

Falsche Inserate erkennen

Egal, wie umkämpft der Wohnungsmarkt ist, man sollte sich die Inserate aufmerksam ansehen. Im Folgenden einige Tipps, welche Anzeigen skeptisch machen sollten und wie man sie überprüfen kann:

  • "Zu günstig, um wahr zu sein." Ist die Wohnung sehr günstig? Und dennoch geradezu perfekt? Das passt nicht zusammen. Vermieter kennen die ortsüblichen Preise und haben meist nichts zu verschenken.
  • "Zu schön, um wahr zu sein." Falsche Wohnungsanzeigen werben oft mit Fotos, die aussehen wie aus Hochglanzmagazinen. "Man erkennt auch an unwichtigen Details, leider erst beim zweiten oder dritten Blick, dass zum Beispiel der Sonnenstand, die Fenster und der Schattenwurf der Möbel nicht zueinander passen", so Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Ein Tipp: Mit der umgekehrten Bildersuche von Google etwa kann man prüfen, ob das Bild noch woanders im Web kursiert.
  • "Zu weit weg, um wahr zu sein." Sitzt der vermeintliche Anbieter oder die Immobilienfirma im Ausland und kommuniziert in Englisch oder in sehr schlechtem Deutsch, sollte man vorsichtig sein.
  • "Zu gut ausgestattet, um wahr zu sein". Zu Vorsicht rät Claudia Neumerkel insbesondere auch bei möblierten Wohnungen.
  • Niemals Daten oder Geld im Voraus herausgeben. Zu guter Letzt gilt: Die Aufforderung, Geld zu überweisen, um sich einen Besichtigungstermin "zu reservieren", ist absolut unseriös. Dasselbe gilt für die Aufforderung, viele persönliche Daten preiszugeben.

Reingefallen, und jetzt?

Schild mit der Aufschrift (Polizei) an der Fassade einer Polizeiwache in Leipzig.
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Wer Opfer eines falschen Wohnungsinserates geworden ist, sollte das immer sofort melden. Die meisten Wohnungsportale haben einen Button, über den man verdächtige Anzeigen melden und überprüfen lassen kann. Alternativ kann man sich an den Kundenservice wenden. Ist das Geld schon überwiesen und weg, ist es ratsam, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 19. November 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 02:10 Uhr

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