Was bringen Blaulichtfilter und Folien für Handy und Computer?

LED-Leuchten sind toll. Sie sind klein, leicht, sparsam und halten in Displays und Monitoren nahezu ewig. Alles könnte so schön sein, wäre da nicht das ominöse blaue Licht, das sie aussenden. Wie es dir schaden kann und wie Filter und Folien dich schützen können, klären wir jetzt.

Eine Frau liegt mit einem Smartphone im Bett. 1 min
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MDR JUMP Mo 01.03.2021 10:45Uhr 01:23 min

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Was ist blaues Licht?

Die Hälfte aller Leuchten hierzulande sind LEDs. Im Auto, auf Arbeit, in Handy-Displays, Computermonitoren und Fernsehern, sie sind überall. Und sie können als kleine einzelne Lämpchen nahezu jede Lichtfarbe erzeugen; nur eines nicht – weißes Licht. Dazu braucht es eine Mischung aus gelb und blau. Dabei hat blaues Licht besonders viel Energie und liefert so für Zimmerlampen aber eben auch für sämtliche Monitore eine hohe Leuchtkraft und Helligkeit. Tatsächlich ist das vergleichbar mit dem Licht der Sonne.

Warum kann blaues Licht gefährlich werden?

Anders als bei der Sonne, haben wir beim künstlich erzeugten blauen Licht noch keine instinktive Schutzreaktion. Prof. Stephan Degle, Leiter des Fachgebiets Augenoptik und Optometrie an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena erklärt das so: „Mittags ist das Sonnenlicht ja am intensivsten. Da würden Sie nicht mit weit offenen Augen längere Zeit lesen oder gar direkt in die Sonne schauen." In dem Fall schauen wir automatisch weg oder setzten eine Sonnenbrille auf. In unserem LED - Alltag fällt uns das blaue Licht gar nicht auch, weil es sich ja quasi im weißen LED –Licht versteckt. Dabei ist der Blauanteil, der so genannte Bluepeak im LED Licht viel höher als im natürlichem Sonnenlicht. Also schauen wir unbesorgt auf Handy, Computer und Fernseher und merken nix von der Bestrahlung.

Ein Vorteil und zwei Gefahren des blauen Lichts

Blaues Licht hält dich wach. Urzeitlich bedingt sagt uns unsere innere Uhr bei Helligkeit: Wachwerden, Aufstehen! Bekommen wir blaues Licht auf die Augen, wird das für unseren Schlaf wichtige Hormon Melatonin nicht mehr ausgeschüttet. Das ist toll, wenn du mal im Büro oder im Job als Schichtarbeiter einen kleinen Boost zum Wachbleiben brauchst. Lampe hell drehen, hilft dann tatsächlich. Aber: Bekommst du abends vorm Schlafengehen oder gar noch im Bett beim Datteln im Handy blaues Licht ab, wird die Melatoninausschüttung genauso gebremst. Die Folgen sind Schlafstörungen, Schlafmangel und mögliche Folgeerscheinungen wie Übergewicht, Erschöpfung und so weiter.

Und blaues Licht wirkt auch direkt schädlich im Auge. Dazu Professor Degle aus Jena: "Es gibt Tierversuche, die zum Teil auch auf uns übertrag bar sind. Die haben gezeigt, dass ein hoher Blaulichtanteil die Netzhaut schädigen kann. Dazu muss die Bestrahlung aber sehr intensiv sein und das kommt in der Praxis eher selten vor." Hier rät unser Experte von Panikmache ab. Aber: Auch die eher altersbedingte Sehstörung Makuladegeneration kann durch blaues Licht gefördert werden. Denn Studien zeigen, dass die Blaulicht-Strahlung in unseren Geräten weit unter den Sicherheits-Grenzen für die Augen liegt. Für den Schlaf ist sie aber relevant "Insgesamt sollte man den Blaulichtanteil möglichst reduzieren", rät deshalb Prof. Degle.

Wie helfen Filter und Folien – wann solltest du sie nutzen?

Moderne Monitore und dein Smartphone haben einen eingebauten Blaulichtfilter. In den Einstellungen der Geräte kannst du im besten Fall regulieren, ob, wann und wie stark er den blauen Lichtanteil unterdrückt.

Diese auch Nachtmodus genannte Einstellung kannst du so timen, dass dein Handy abends vorm Schlafen oder im Bett nicht mehr zu viel Blaulicht ausstrahlt. Auch Folien für Monitor und Smartphone und Filterbrillen mit- und ohne Sehschärfe helfen dabei, den Blaulichtanteil bis zu fast 100 Prozent zu reduzieren. Problem: Je mehr Blaufilterwirkung, desto gelber wird das Bild.

Aber eine Folie oder Brille, die nur bis zu 30 Prozent Blaulicht filtert, bringt dir nicht wirklich Entlastung.

Was bringen die einzelnen Produkte?

Um rauszufinden, ob ein Filter für deine Augen etwas bringt, müsstest du wissen, in welchem Lichtwellenbereich er wirkt. Dazu Professor Degle: "Genau da liegt das Problem. Die gefährliche Strahlung liegt bei etwa 430 bis 435 Nanometern. Filtert Ihre Folie oder Brille nur bis 420 oder 425 Nm raus, nutzt das nicht viel. Und als Laie ist das wirklich schwer rauszufinden." Auf der anderen Seite gibt es Folien und Brillen, die Licht bis zu einer Wellenlänge von 450 Nm filtern. "Da bleibt es dann quasi völlig gelb, verfälscht aber am Bildschirm komplett die Farben. Für Grafiker oder ähnliche Berufe ist das also ungeeignet. Hinzu kommt, dass diese gelben Bildschirme die Augen auch wieder anstrengen“, so der Experte.

Wie kannst du dich noch schützen

Lampen mit kaltem weißem Licht haben einen  größeren Blaulichtanteil. Du solltest also möglichst LED-Lampen mit warmem Licht kaufen. Wenn du abends fernsiehst, schalte noch eine zweite Lichtquelle ein, dann öffnen sich die Augen nicht so stark, du bekommst weniger Blaulicht ab. Das Handy am Bett ist ohnehin keine gute Idee, egal ob mit oder ohne Filter. Am besten raus damit aus dem Schlafzimmer. Unser Experte sieht noch mehr Potential: "Es gibt Geräte die kommen fast ohne Blaulicht aus. Die Forderung geht also an die Industrie, hauptsächlich solche Technik einzusetzen."

Wann solltest du zum Augenarzt?

Nicht nur vom Blaulicht, auch von falscher Körperhaltung, zu trockener Raumluft und schlicht von viel zu intensiver Monitorarbeit können deine Augen geschädigt werden. Solltest du langfristig Symptome wie trockene, müde, brennende Augen bekommen, mach dir einen Termin beim Augenarzt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei Arbeit | 01. März 2021 | 10:45 Uhr

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