So findest du den richtigen Fahrradhelm

26.03.2020 | 02:10 Uhr

Eine Gruppe von vier Radfahrern mit Helmen fährt auf einem Feldweg. 1 min
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MDR JUMP Do 26.03.2020 02:10Uhr 01:02 min

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Laut Allgemeinem Deutschen Fahrradclub (ADFC) stirbt täglich ein Radfahrer auf Deutschlands Straßen, pro Stunde werden im Schnitt zwei schwer verletzt. Darunter sind auch viele Kinder. Fahrradhelme können bei Sturz oder Unfall Leben retten. Voraussetzung: Sie müssen passen und richtig eingestellt sein. Der Preis spielt ab zirka 50 Euro kaum noch eine Rolle. In Tests von Stiftung Warentest und Ökotest gab es für dieses Geld schon richtig gute Helme, teurer muss nicht unbedingt besser sein. Vielmehr ist das individuell passende Modell wichtig.

Die Nicht-Helmpflicht

Rein rechtlich kann dich niemand zwingen, einen Fahrradhelm zu tragen. Selbst bei einem Unfall bekommst du als Radfahrer nicht automatisch eine Mitschuld, nur weil du keinen Helm aufhattest. Zum Eigenschutz wird allerdings dazu geraten. Und bei Kindern versteht es sich von selbst, dass ein Helm zum Radfahren gehört. Bist du mit einem Pedelec unterwegs, das als S-Pedelec über 25 km/h schnell unterstützt wird, ist der Helm hingegen Pflicht. 

Die  verschiedenen Helmarten

Im Wesentlichen wird in Sport/Rennradhelme und Mikroschalenhelme unterschieden.  Die Sportradhelme gibt es als Herren/Damen- Helme und in einer etwas anderen Form auch als Downhillhelme. Bei diesen Typen kommt es eher auf Aerodynamik und gute Belüftung an. Sie sind vor der Stirn oft verlängert, was bei einem typischen Sturz über den Lenker aufs Gesicht entsprechend schützen soll. Mikroschalenhelme haben einen fast geschlossenen harten Schaumstoffkern und einen Kunststoffüberzug. Sie sind besonders stabil, schützen auch den Hinterkopf und die empfindlichen Schläfen. Sie sind häufig als City- oder auch BMX-Helme anzutreffen. Kleines Manko: Die Belüftung ist oft dürftig. Wer also lange, schweißtreibende Strecken unterwegs ist, der sollte auf die entsprechende Belüftung und ein niedriges Gewicht, nicht über 300 Gramm, achten. In letzter Zeit gibt es immer mehr Unisex-helme, es ist im Prinzip nur eine Frage der Farbe, wer was trägt. Für Kinder sind besonders Schalenhelme mit tiefer Helmschale und einem heruntergezogenen Schläfenbereich im Angebot und empfehlenswert.

Der Helmkauf

Der Helmtyp muss zu deinem Fahrprofil passen: Große Lüftungsöffnungen passen zu anstrengenden, weiten Strecken. Wichtig dabei sind Netze hinter den Öffnungen, sie schützen vor Insektenstichen. Helme mit Sonnenblende sind etwas teurer, bieten aber gerade im Sommer eine großen Fahrkomfort. Für eine bessere Sichtbarkeit empfehlen sich Helme mit Rücklichtern. Besonders wichtig sind Reflektoren, gerade für Kinder, die auch abends unterwegs sind.

Hast du den richtigen Typen gefunden, ermittelst du mit einem Maßband ca. einen Zentimeter über den Augenbrauen deinen Kopfumfang. Damit kannst du die richtige Helmgröße suchen. Fast alle Helme sind per Nackenrad auf unterschiedliche Größen einzustellen. Wichtig: Kaufe beim Kinderhelm nicht auf Größenzuwachs, lieber nach ein/zwei Jahren den nächst größeren, gut sitzenden Helm.

Probiere einen Helm immer an, am besten also im Fachgeschäft, dort ist es nicht wesentlich teurer als im Internet, aber sicherer, Beratung inklusive.

Nimm vor allem dein Kind mit zur Anprobe. Dann kann es sich auch selbst für seine Lieblingsfarbe entscheiden und trägt den Helm später freiwillig gerne.

Der richtige Sitz

Der Helm muss waagerecht sitzen und darf bei festgezogenem Nackenrad auch ohne geschlossenen Kinnriemen nicht runterfallen, wenn du mit dem Kopf wackelst. Der Kinnriemen darf nur wenig Spiel haben, eine Fingerbreite muss noch zwischen Gurt und Kinn passen. Die seitlichen Ypsilon-Verteiler sollten gleichmäßig straff unterhalb des Ohrläppchens anliegen. Der Helm darf sich nicht ohne Kraft nach hinten schieben oder gar abstreifen lassen. Der Kinnriemen sollte möglichst weich unter dem Kinn anliegen und darf nicht nach vorn rutschen. Allgemein sollte der Helm nur mit den innen angebrachten Polstern am Kopf anliegen, nicht schmerzhaft drücken und nach vorne eine freie Sicht gewähren. Die Einstellung der Helmriemen sollte immer mal wieder überprüft werden. Nachjustieren ist besonders auch bei Kindern wichtig, wenn ab und zu mal einen Mütze unter dem Helm getragen wird.

Die richtigen Sicherheitszeichen

Ein CE Zeichen im Helm ist wichtig und gut, birgt aber nicht immer für super-Qualität. Achte also neben diesem Zeichen noch darauf, dass dein Helm das Zeichen DIN EN 1078 enthält. Das bekommen nur wirklich gute Helme verliehen. Außerdem sollte im Helm unbedingt das Herstellungsdatum zu finden sein. 

Die richtige Pflege

Am besten wird ein Helm dunkel und kühl aufbewahrt. Hitze und Sonne "arbeiten" an den schützenden Kunststoffen des Helms. Wenns mal schmutzig wird, reinigst du dem Helm am besten mit lauwarmem Wasser aber ohne Reinigungsmittel, auch die schaden den Kunststoffen. Herausnehmbare Polster kannst du Sie bei maximal 30 Grad in der Waschmaschine reinigen. Benutze auch die oft mitgelieferten Wechselpolster. Nach einem Sturz muss ohne Wenn und Aber ein neuer Helm her, ansonsten solltest du spätestens nach fünf Jahren wechseln, denn dann können die Bestandteile des Helms ihre Stabilität verlieren.  

Das richtige Zubehör

Nachträglich kannst du deinen Helm mit Beleuchtung, Reflektoren und Halterungen etwa für Kameras ausstatten. Achte dabei aber immer auf das passenden und zugelassenen Zubehör. Eine Actionkamera mit Kabelbinder oder Klebeband anzubringen, kann bei einem Sturz gefährlich sein. Für ganz große Filmfans gibt es Radhelme mit eingebauter Kamera.

Der falsche Helm

Trage auf dem Fahrrad immer nur Fahrradhelme und bei Skaten oder auch Reiten immer nur die dazu passenden Helme. Sie sind nämlich für die jeweils typischen Verletzungsmuster konstruiert. So schützt ein Fahrradhelm eher im Frontbereich, im Seiten- oder Hinterkopfbereich ist hingegen nur wenig Schutz vorhanden. Und gegen einen Huftritt kann ein Fahrradhelm schon gar nicht schützen. Reithelme sind da viel stabiler bei einer punktuellen Belastung, lüften aber ungleich schlechter. Fällt man mit dem Fahrradhelm beim Inlineskaten auf den Hinterkopf, kann der Helm soweit nach vorne gedrückt werden, dass der Kinnriemen gefährlich einschneiden. Deshalb sind Skaterhelm auch in der Regel hinten glatt und stehen nicht soweit über wie beispielsweise ein Rennradhelm.

Also nochmal: Zu jeder Sportart gehört der passenden Helm, alles andere kann gefährlich werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 26. März 2020 | 11:45 Uhr

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