Alternativen zu Plastikgeschirr

Plastikgeschirr ist out. Pappbecher für To-Go auch. Nur was nimmt man als Geschirr für den Kindergeburtstag oder die Gartenparty? Bambusverpackungen? Nein - sagt die Verbraucherzentrale und weiß Alternativen.

Warum viele Einwegverpackungen verboten sind

Die Antwort ist so einfach wie erschreckend: Pro Jahr verbrauchen wir in Deutschland pro Kopf aktuell rund 226 Kilogramm Verpackungen. Das meiste davon aus Kunststoff, viel davon landet nach dem Gebrauch im Müll. Und dazu zählen auch Kaffeebecher, Pommes-Schale und Kollegen. Seit 1995 hat sich die Anzahl derartiger Verpackungen verdoppelt. Deshalb ist seit 3. Juli Schluss mit vielen Einwegverpackungen aus Kunst- aber auch Naturstoffen.

Gute Plaste, schlechte Plaste

Gerade für unterwegs oder bei der Raubtierfütterung von Kleinkindern ist Plastegeschirr ein Segen, weil nahezu unkaputtbar. Es kommt aber auf den richtigen Kunstsoff an. Also lohnt es sich genau hinzuschauen aus welcher Plaste das Geschirr besteht. Lebensmittelechtes Polypropylen oder Polyethylen sind gesundheitlich nahezu unbedenklich, während ein Polystyrolbecher mit heißem Kaffee nach heutigem Wissen nicht mehr gesund ist. Die Kürzel auf den Produkten verraten, woraus die Verpackung besteht. Wichtig für Anwendung und Umwelt: Die Verpackung muss wiederverwendbar sein. Vorsicht: Hitze, Sonne und Zeit sind für jeden Kunststoff problematisch.

Warum Bambus- und Mais-Mixverpackungen gesundheitlich bedenklich sind

Es klingt ja schon schön, wenn man mit dem Kaffeebecher aus Bambus mit nur ein bisschen Kunststoff für einen grüneren Planeten sorgen kann. Leider sind in solchen Verpackungen aber nur ein paar Prozent Bambus und der Rest besteht aus Stoffen wie Melaminharz oder Polylactat, das die Pflanzenfasern zusammen klebt. Und das ist nicht mehr grün sondern gesundheitlich bedenklich. „Es ist tatsächlich so, dass Verbindungen aus Kunstsoffen wie Melamin und Bambus oder auch Mais nicht so stabil sind, als wenn Sie einen reinen Kunststoff verwenden“, so Lebensmittelexpertin Dr. Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale. Das Problem: Bei hohen Temperaturen, also einem heißen Kaffee zum Beispiel, können gesundheitlich kritische Mengen an Melamin und sogar Formaldehyd in die Lebensmittel übergehen. Bei entsprechenden Tests wurden laut Bundesinstitut für Risikobewertung Grenzwerte um das bis zu 120-fache überschritten. Auch deshalb sind genau solche Geschirrmixe in der EU nicht zugelassen.

Bambus und Palmenblatt - Ökologische Augenwischerei

Becher oder Teller aus Naturstoffen locken auch erstmal mit der Grünen Note.
Das Problem: Ihre Herstellung ist aufwendig. Dazu unsere Expertin: “Manche der Stoffe brauchen sehr lange, um zu verrotten, andere werden im Biomüll als Störstoffe aussortiert und schlussendlich verbrannt. Und über allem steht: Sie schmeißen sie weg.“

Essbare Verpackungen – die isst doch keiner

Die Suppenschüssel aus Stärke oder der Topf aus Brot. Auch das klingt alles toll, für die praktische Anwendung hat Dr. Brendel aber Zweifel: „Es muss ja das Ziel sein, Geschirr wieder zu verwenden. Aber außer bei der Eiswaffel isst ja nun wirklich kaum jemand die essbare Suppenschüssel. Und auch kleine Verpackungen aus Stärke fürs Fingerfood oder ähnliches schmeißen Sie weg. Also haben wir auch hier am Ende Abfall.“

Gute Alternativen für To-Go Verpackungen

Es sind die traditionellen Materialien, die gesundheitlich unbedenklich und langlebig sind: Edelstahlbecher verbrauchen zwar bei der Herstellung viel Energie, halten aber ewig lange. Auch Tassen, Teller und Schüsseln aus Emaille sind praktisch unbegrenzt lange nutzbar, lebensmittelecht und halten auch hohe Temperaturen gut aus. Glas und Porzellan kannst du ebenso für den Einsatz im Freien verwenden. Davon gibt es bruchsichere Varianten.
Achtung: Für gute Kaffee-Thermobecher gibst du besser einen Euro mehr aus, dafür hält er länger und auch länger warm.

Gute Alternativen für´s To-Go Verhalten

Erste Überlegung: Muss es wirklich To-Go sein? So ein Latte Macchiato  schmeckt viel besser, wenn Du ihn in Ruhe im Café genießt. Die Pizza auf dem Freisitz, die Bockwurst direkt im Fleischerladen. Je weniger Essen und Getränke wir rumschleppen, desto weniger Verpackung brauchen wir. „Es gibt auch immer mehr Angebote, dass Geschäfte Ihnen Ihren Kaffee oder Tee in den mitgebrachten Becher abfüllen“, so unsere Expertin von der Verbraucherzentrale Sachsen. Geschäfte mit Refillangebot füllen dir auch eine Wasserflasche ohne Probleme auf. Und die gute alte Thermoskanne mit Edelstahltasse als Deckel ist eine weitere Möglichkeit, lange heißen Tee oder Kaffee zu genießen und dabei Verpackungsmüll zu sparen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. September 2021 | 11:45 Uhr

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