Fahrradanhänger für Kinder – so findest du den richtigen

Wenn Radfahrer Nachwuchs bekommen, müssen sie nicht auf Touren mit dem Drahtesel verzichten. Solange der Nachwuchs noch nicht selber Fahrrad fährt, kann er im Anhänger mitgenommen werden. Doch welche Vor- und Nachteile haben Fahrradanhänger und wie sicher sind sie?

Die Experten der Stiftung Warentest haben vor einiger Zeit Fahrradanhänger für Kinder untersucht. Bei den Einsitzern hat der Thule Chariot Cross 1 den Test gewonnen. Besonders gut hat dieser Anhänger übrigens in der Kategorie „Fahrverhalten“ abgeschnitten. Auch in der Sicherheitsprüfung und im Langzeittest konnte der Anhänger überzeugen. Bei den Zweisitzern war der Thule Chariot Cross 2 der Gewinner. Auch hier überzeugte die Haltbarkeit des Anhängers und das Fahrverhalten. Für die Anhänger muss man mehr als 700 Euro investieren. Allerdings werden die Anhänger oft gebraucht verkauft. Da kann man unter Umständen ein Schnäppchen machen.

Einkaufsberatung

Studien zeigen, wer sich einen Fahrradanhänger anschafft, nutzt ihn auch häufig. Heißt: Hier lohnt es sich durchaus, etwas mehr Geld zu investieren. Augenmerk sollten Käufer auf die Beinfreiheit der Kids lenken. Da sollte genug Platz sein, um Wachstumsschübe bei den Kindern auszugleichen. Außerdem sollten die Kleinen bei längeren Fahrradtouren keine Rückenschäden bekommen, weil sie von einer zu kleinen Sitzfläche gerutscht sind.

Die Experten der Stiftung Warentest empfehlen zudem auf gute Bremsen zu achten. Das Problem: Kaum ein Anhänger bietet ein eigenes Bremssystem. Deshalb sollten die Bremsen am Fahrrad in einem Topzustand sein.

Stellst du bei einem ersten Test im Geschäft unangenehme Gerüche fest – lieber einen anderen Anhänger aussuchen. Gelegentlich haben die Tester der Stiftung Warentest Schadstoffe entdeckt, die für die Kindergesundheit gefährlich werden können. So enthält das Sichtfenster des Kidgoo1 und des Kidgoo 2 von Qeridoo das Flammschutzmittel TDCP – dieses ist in Spielzeug für Kinder unter drei Jahren verboten.

Außerdem seien feste oder harte Sitzschalen zu bevorzugen, da die dem Kinderrücken besser stützen. Kinder unter einem Jahr sollten überhaupt nicht im Anhänger mitfahren, solange sie nicht alleine sitzen können.

Vorteile von Fahrradanhängern

Freiheit: Anders als in einem Kindersitz haben die Kleinen in einem Anhänger Bewegungsfreiheit, sitzen komfortabel und sind obendrein durch Planen vor Wind und Wetter geschützt. Wächst das Kind, wird jedoch bequemes Sitzen - zumal mit Helm - allmählich schwieriger.

Sicherheit: Auch im Falle eines Unfalls bieten die Anhänger Vorteile: Das Kind stürzt nicht vom Rad, sondern sitzt weiterhin sicher. Zudem kann der Anhänger zumindest einen leichten Aufprall durch seine Pufferzonen wie ein Kokon abfedern.

Flexibilität: Viele Kinderfahrradanhänger lassen sich mit ein paar Handgriffen umbauen und können so als Schiebebuggy benutzt werden. So kann man damit auch Skaten oder Joggen. Eltern sollten allerdings genau vorher überlegen, wofür sie die Anhänger tatsächlich nutzen wollen. Die Extras können schnell ins Geld gehen.

Nachteile von Fahrradanhängern

Kosten: Fahrradanhänger sind nicht billig. Zwischen 250 und 1.200 Euro muss man dafür investieren. Neben den klassischen Zweisitzern haben einige Anbieter auch Einsitzer im Sortiment. Die sind nicht nur schmaler und leichter, sondern oft auch etwas günstiger.

Belastungen: Da die Kinder in den Anhängern sehr niedrig sitzen, atmen sie permanent die Abgase von Autos ein. Zudem gefährden Chemikalien in den Anhängern selbst die Gesundheit von Kindern und Eltern: Das Labor vom ADAC und Stiftung Warentest entdeckte 2010 in vielen Sitzpolstern, Seitenstoffen, Gurten, aber auch in Sichtfenstern und Regenschutz bedenkliche Substanzen.

Platzbedarf: Was Raum bietet, braucht auch Platz. Kellerräume sind durch Anhänger schnell vollgestellt.

Verhaltensregeln im Straßenverkehr

Laut Gesetz dürfen Kinder bis zu einem Alter von sieben Jahren mit an Bord. Es müssen jedoch einige Vorschriften beachtet werden.

Gurt und Helm anlegen: Kinder sollten im Straßenverkehr immer Gurte angelegt haben und einen Helm tragen. Sehr wichtig ist auch eine seitliche Kopfstütze im Sitz (oft als Zubehör erhältlich), besonders wenn das Kind schläft. Das Fliegengitter sollte immer geschlossen sein, denn es schützt nicht nur vor Insekten, sondern auch vor Split und Steinen. Mit einem Rückspiegel am Fahrrad hat man sein Kind und den Verkehr immer im Blick.

Beleuchtung nicht vergessen: Die Anhänger verdecken während der Fahrt das Rücklicht des Erwachsenenrades. Um gut gesehen zu werden, brauchen sie darum eine eigene Beleuchtung. Diese besteht aus zwei weißen Frontleuchten und zwei roten Schlussleuchten. Neben Batterieleuchten gibt es auch Adapter zur Nutzung des Dynamos des Fahrrades für die Anhängerleuchten.

Vorbereitung unerlässlich: Wenn man einen Anhänger kaufen will, sollte man sein Fahrrad mit zum Händler nehmen. Eine erste Übungsrunde sollte mit Gewichten als Dummy absolviert werden. Vor allem der Kurvenradius, die Breite des Anhängers und das Bremsen sind gewöhnungsbedürftig. Ganz wichtig: Fahrradanhänger haben in der Regel keine eigene Bremse. Daher sollten die Bremsen am Zugfahrrad auf tadellose Funktion überprüft werden.

Keine Zweckentfremdung: Anhänger dürfen nur von Fahrrädern gezogen werden. Für E-Bikes, Pedelecs und erst recht Mofas sind sie weder geeignet noch zugelassen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 03. Juni 2021 | 11:45 Uhr

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