Lohnt sich der Kauf von generalüberholten Smartphones und Tablets?

Behandschuhte Hände reparieren ein Handy. 1 min
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MDR JUMP Do 11.03.2021 10:45Uhr 01:11 min

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Im Internet werben zahlreiche Anbieter für generalüberholte Smartphones und Tablets. Darunter sind auch aktuelle Top-Geräte, bei denen Käufer teils bis zur Hälfte des Kaufpreises sparen können. Die Anbieter haben die Gebraucht-Geräte geprüft, aufbereitet und defekte Teile ausgetauscht. Damit sollen Käufer sicherer vor kaputten Geräten sein als bei Gebrauchtgeräten von Privat oder Händlern. Trotzdem gibt es bei den Handys oder Tablets regelmäßig Schwachstellen, die man checken sollte.

Renewed oder B-Ware?

Für wiederaufbereitete, gebrauchte Smartphones und Tablets haben sich im Internet inzwischen diese drei Begriffe etabliert: "refurbished", "renewed" oder auch "generalüberholt".

Heißt übersetzt: Da hat sich jemand das Gerät angeschaut, hat es wahrscheinlich sauber gemacht, zurückgesetzt und möglicherweise auch Verschleißteile ausgetauscht, die abgenutzt waren und hat was repariert, wenn was defekt war.

Alexander Spier vom Computermagazin c't

Etwas verwirrend für Käufer ist, dass Onlineshops oder auch Hersteller zusätzlich noch Geräte unter den Bezeichnungen "Warehouse Deals" oder "B-Ware" günstiger verkaufen. Das sind in der Regel Neugeräte, die Kunden nach kurzem Ausprobieren zurückgeschickt haben oder die bei Händlern ausgestellt waren. Die müssen selten aufbereitet werden und sind preislich meist etwas über generalüberholten Smartphones oder Tablets angesiedelt, aber immer noch deutlich günstiger als Neuware.

Bis 25 Prozent Nachlass für gute, neu wirkende Geräte

Je nach Zustand und Alter des Handys oder Tablets könnten Käufer bis zu fünfzig Prozent vom Neupreis sparen. Experten geben zu bedenken, dass das Gerät dann aber nicht mehr wie neu aussieht, schon eine Weile benutzt wurde und möglicherweise hier und da ein paar Kratzer hat. Wer ein fast neuwertiges Gerät haben will, kann mit zehn bis 20 Prozent Ersparnis rechnen. Das hängt ein bisschen davon ab, wie beliebt das Modell ist und wann es auf den Markt kam.

Nicht immer klar, was "generalüberholt" wurde

Aus der Erfahrung von Experten legen die Anbieter von generalüberholten Tablets oder Smartphones leider nicht immer offen, was genau sie am Gerät "wiederaufbereitet" haben. Zwar wird angegeben, dass alle Funktionen überprüft wurden, aber ob und was getauscht wurde, wird oft nicht gesagt. Käufer wissen so nicht, ob etwa ein Akku gewechselt wurde und können damit auch nicht genau abschätzen, wie lange das Smartphone oder Tablet in ihrem Besitz dann durchhält. Ähnlich auch beim Display: Hat das Kratzer und muss getauscht werden, setzen nicht alle Wiederaufbereiter auf das teure Originalersatzteil und nehmen stattdessen ein billiges und schlechteres Display. Das ist dann vielleicht nicht so hell oder kratzfest wie das Original oder reagiert langsamer auf Eingaben. Tipp von Experten: Man sollte beim Kauf darauf achten, dass möglichst exakt beschrieben ist, was genau am Gerät gemacht wurde. Zudem behalten sich manche Onlineverkäufer vor, Zubehör wie beispielsweise Ladekabel oder auch den Akku auszutauschen. Das müssen nicht immer Originalteile der Hersteller sein. Auch darauf sollte man beim Kauf achten.

Direkt vom Hersteller kaufen

Unter den Anbietern von generalüberholten Smartphones und Tablets sind Händler, die neben anderen Produkten auch selbst aufbereitete Geräte verkaufen und Plattformen wie refurbed.de oder asgoodasnew.de, die komplett auf die Wiederaufbereitung von Elektronikgeräten setzen. Auch Hersteller bieten manchmal über ihre Shops generalüberholte Geräte an. Das macht beispielsweise Apple etwas versteckt in seinem Onlinestore. Der Vorteil hier: Die Hersteller wissen, worauf man achten muss und kennen die Probleme der Geräte. Die Geräte werden oft zertifizieren und man bekommt, ähnlich wie bei einem neuen Smartphone oder Tablet, noch eine Garantie dazu. Dafür sind die Preise oft höher als bei Händlern und Plattformen für generalüberholte Geräte.

Nach dem Kauf Smartphone sorgfältig prüfen

Für den Kauf vom Händler, Hersteller oder von einer Wiederaufbereitungs-Plattform gilt die übliche Frist aus dem Fernabsatzgesetz von 14 Tagen für den Widerruf. In diesem Zeitraum sollten Käufer die Geräte ausführlich überprüfen.  

Als Erstes kann man das Display auf Pixelfehler, Helligkeit und Kratzer checken. Home-Button und Power-Button sollte man ebenfalls überprüfen. Die zählen genau wie die Kabel- oder USB-Buchse zu den üblichen Schwachstellen. Da sollte man prüfen, ob die sehr locker ist und ob der Stecker richtig rein geht. Die Buchse bricht oft innen im Gerät. Dann lässt sich das Handy oder Tablet nicht mehr laden. Auch der Anschluss für den Kopfhörer ist eine bei Gebrauchtgeräten typische Schwachstelle. Die Folge sind Aussetzer und Störgeräusche beim Musikhören.

Schwachstelle Akku

Ein Ladekabel liegt auf einem Handy, auf dessen Display gerade der Akkustand angezeigt wird.
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Die in Smartphones und Tablets verbauten Akkus sind inzwischen so gut, dass sie in ein bis zwei Jahre alten Gebrauchtgeräten einen Tag durchhalten sollten. Ob die Leistung des Akkus zu stark abgenommen hat, können Käufer nur in der Praxis testen. Geht das Smartphone oder Tablet nach einem halben Tag aus, ist das verdächtig. Originale Tausch-Akkus gibt es schon für zehn bis 15 Euro. Allerdings verkleben immer mehr Hersteller den Energiespeicher fest im Gerät. Den können dann - wenn überhaupt - nur Profis gegen höhere Kosten tauschen.

Betriebssystem sollte aktuell sein

Bei gebrauchten Geräten sollten Käufer immer auch checken, welche Version des Betriebssystems installiert ist. Das steht in den Einstellungen. Ein altes und nicht aktuelles Betriebssystem ist anfälliger für Schadsoftware. Im Zweifel sollte eine neue Version des Betriebssystems aufgespielt werden. Bei vergleichsweise alten Geräten bekommen Käufer allerdings manchmal keine aktuellen Updates mehr. Bevor man das wiederaufbereitete Smartphone oder Tablet nutzt, sollte man es in den Einstellungen sicherheitshalber noch einmal in den Werkszustand zurückversetzen. Dann sind sämtliche privaten Inhalte des Vorbesitzers ebenso verschwunden wie möglicherweise installierte Spähprogramme. Nach dem Zurücksetzen auf Werkseinstellungen hat der Vorbesitzer auch keinen Zugriff mehr auf das Handy, etwa für Suchdienste wie "Mein iPhone suchen" oder "Find my Mobile".

Weniger Risiko beim Kauf vom Händler

Händler müssen anders als Privatverkäufer bei Mängeln an der verkauften Ware einstehen. Diese Regel gilt auch für generalüberholte Geräte. Einige Händler geben selbst auf gebrauchte Geräte noch zwei Jahr Gewährleistung, einige kürzen sie aber auf nur ein Jahr, was legitim ist. Manche große Verkaufsplattformen werben sogar mit bis zu 36 Monaten Garantie aufs Gerät. Hier sollten Käufer aber genau im Kleingedruckten nachlesen. Manchmal wird der Akku von der Garantie ausgeschlossen. Bei privaten Angeboten muss man mit den Fehlern leben, die eventuell auftreten bzw. sie auf eigene Kosten reparieren lassen. Da sollte man also nur kaufen, wenn man sich gut auskennt oder selbst gut im basteln ist.

Gebrauchte Smartphones im Discounter

Aldi verkauft seit vergangenem Jahr immer mal wieder gebrauchte Apple-Smartphones zu vermeintlichen Schnäppchenpreisen. Los gings im Sommer 2020 mit dem iPhone 7, auch das gebrauchte iPhone 8 war schon in den Läden. Die Geräte werden laut Aldi "komplett zerlegt, auf Einzelkomponentenbasis geprüft und gereinigt". Bei Vergleichen zeigt sich, dass die Preise keine Schnäppchen sind, allerdings gibt es auf die Handys eine 2-Jahres-Garantie.

Fazit

Mit generalüberholten Smartphones können Käufer im Vergleich zu Neugeräten einiges sparen. Bis zu 25 Prozent Abschlag vom Preis sind laut unseren Experten realistisch. Wer bei Herstellern und professionellen Aufbereitern kauft und zudem alle möglichen Schwachstellen genau prüft, ist vor bösen Überraschungen meist sicher. Fernabsatzgesetz, Gewährleistung und oft auch eine Garantie schützen zusätzlich.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. März 2021 | 10:45 Uhr

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