Handwerkerportale: Einen Fachmann finden, der gute Arbeit macht

Bad renovieren, Heizung bauen, Wohnung malern: Wer dafür einen Handwerker braucht, muss derzeit oft ganz schön suchen. Schuld sind der aktuelle Bauboom und der Fachkräftemangel. Handwerkerportale sollen die Suche nach einem Fachmann zumindest etwas einfacher machen. Statt alle Handwerker einzeln abzutelefonieren, stellen Nutzer ihre Aufträge mit ein paar Klicks online.

Ein Klempner repariert das Waschbecken im Bad.
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Handwerkerportale, so geht's!

Onlineportale wie MyHammer, Doozer, blauarbeit.de oder Handwerker-123 funktionieren für Kunden ähnlich. Sie melden sich kostenlos an, geben ihre Adresse an und beschreiben, welche Arbeiten sie in Wohnung, Haus oder Garten beauftragen möchten. Dabei wird mit abgefragt, wie groß etwa ein zu malernder Raum ist oder an wie vielen Wänden Fliesen angebracht werden sollen. Selbst Bau-Laien können da nicht viel falsch machen. Bei Doozer gebe es dafür extra eine Checkliste, sagt Sprecher Thomas Jannaschk:

Dabei wird jedes Gewerk in jedem Raum separat abgeprüft. Anschließend können alle Pakete in der Auftragsübersicht noch im Detail geprüft und angepasst werden.

Vor dem ersten Vermitteln werde ein Auftrag auch immer noch einmal von einem Bauexperten geprüft. Der bespreche Details mit dem Kunden auch noch einmal am Telefon, sagt Thomas Jannaschk. Bei Doozer wählen dann Nutzer die für ihren Auftrag passenden Handwerker aus einer Liste aus. Diese werden passend zu den gewünschten Arbeiten angezeigt. Die Handwerker haben dafür schon vorab ihre Preise und mögliche Leistungen angegeben.

Bei MyHammer, blauarbeit.de und Handwerker-123 werden die Auftragswünsche für alle angemeldeten Handwerker veröffentlicht. Die können für die Arbeiten dann Angebote abgeben, aus denen Nutzer dann auswählen. Bei MyHammer können Nutzer zusätzlich noch aus einer Datenbank Handwerker aus der Region auswählen, die dort in einem Profil ihre Leistungen eingetragen haben.

Für Kunden sind die Portale kostenlos

Wer Handwerks-Arbeiten beauftragt, muss bei den genannten Portalen nichts bezahlen. Bei Doozer zahlen die Handwerker für erfolgreich vermittelte Aufträge eine Provision. Das sind ein paar Prozent vom Auftragswert. Bei MyHammer wird eine kleine Gebühr für den Handwerker fällig, wenn der Kunde auf sein Angebot antwortet. Je nach Auftragsgröße zahlen Handwerker zwischen einem und 39 Euro. Bei blauarbeit.de schließlich zahlen die Handwerker eine Monats-Gebühr ab 50 Euro aufwärts, um in dem Portal Aufträge annehmen zu können. Die Verbraucherzentralen warnen, Handwerker könnten die genannten Kosten auf ihre Kunden abwälzen und ihre Preise entsprechend erhöhen. Allerdings lassen die Verbraucherschützer offen, wie Nutzer der Portale das überprüfen sollen und ob sie sich in Zeiten von Fachkräftemangel wirklich dagegen wehren können.

Auftraggeber hat die freie Wahl

Kunden können bei den Portalen selbst entscheiden, ob sie das Angebot eines Handwerkers auch wirklich annehmen wollen. Darauf weisen beispielsweise Doozer und blauarbeit.de auf Nachfrage noch einmal hin. Tony Selle von der Arbeitsgemeinschaft Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein sagt:

Tony Selle, Arbeitsgemeinschaft Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein
Bildrechte: Hafkesbrink Selle Rechtsanwälte

Es gibt keinen Zwang, einen Vertrag mit dem Unternehmen abzuschließen. Selbst wenn es das günstigste Angebot ist. Es besteht Vertragsfreiheit.

Kunden müssen sich also nicht sofort für ein Angebot entscheiden. Sie können Leistung und Preise vergleichen und eventuell auch noch über ein anderes Portal Angebote einholen. Das gilt allerdings auch nur dann, wenn es in einem Bereich genug Handwerker gibt. Unser Experte und auch die Handwerkskammer raten, sich bei der Entscheidung trotzdem nicht unter Druck setzen zu lassen und in Ruhe das Angebot zu prüfen. Das kann das Risiko senken, dass es später Ärger gibt. Nutzer der Portale können bei einem Handwerker nach dessen Referenzen fragen, rät der Leipziger Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht.

Gerade wenn es Referenzen gibt, find ich das gut. Da kann man sich dort auch noch weitere Informationen einholen. Oder man kann vielleicht auch dort mal vorbeigehen und sich das ansehen. Wenn es beispielsweise ein öffentlicher Platz ist.

Checkliste für Portale

Die Handwerkskammer Leipzig hat eine Checkliste zusammengestellt, nach der Nutzer der Portale vorgehen können:

  • Wird ein vollständiger und nachprüfbarer Kontakt mit Vor- und Nachnamen sowie Firmensitz angegeben?
  • Existiert der Firmensitz?
  • Funktioniert die angegebene Telefonnummer?
  • Wird im Vorfeld ein schriftliches Angebot erstellt?
  • Wird ordnungsgemäß eine Rechnung ausgestellt?
  • Ist der Betrieb bei Handwerkskammer oder Industrie- und Handelskammer bekannt?
  • Sind Angebot und Garantien überhaupt realistisch?
  • Machen das Auftreten und die Ausstattung der Handwerker generell einen seriösen Eindruck?

Die Portale erfragen zwar die Postleitzahl der Nutzer, um möglichst Handwerker aus der Region vorschlagen zu können. Das klappt aber nicht immer. Wer mit Blick auf mögliche Nacharbeiten auf einen kurzen Anfahrtsweg Wert legt, sollte das im Vorfeld klären. Die Handwerkskammern bietet mit der kostenlosen App „Handwerkerradar“ noch einen weiteren Weg, den passenden Fachmann in der Nähe zu finden.

Nach der Entscheidung für einen Handwerker: ein vollständiges Angebot machen lassen!

Die Handwerkerportale fragen unterschiedlich viele Dinge für einen Auftrag ab und nicht immer sind alle wichtigen Punkte enthalten. Fachanwalt Selle rät daher, sich nach der Entscheidung für einen Handwerker nochmal ein detailliertes und vollständiges Angebot machen zu lassen: Welche Arbeiten sollen wie und wo gemacht werden? Welche Vergütung muss dafür gezahlt werden? Wird dabei nach Materialaufwand und/oder nach geleisteten Arbeitsstunden abgerechnet? Ab und bis wann sollen die Arbeiten erledigt sein? Diese Punkte sollten schriftlich festgehalten werden, rät Rechtsanwalt Selle.

Der Vorteil bei einem konkreten Ausführungstermin ist, dass mit Ablauf des vereinbarten Termins der Handwerker dann ohne weitere Mahnung in Verzug gerät. Und dann können Sie als Kunde auch gleich entsprechende Verzugsschäden geltend machen.

In dem Angebot kann auch geklärt werden, ob für die Arbeiten eine Anzahlung geleistet werden muss.

Ohne gesonderte vertragliche wirksame Vereinbarung kann der Handwerker keine Anzahlung verlangen. Das ist gesetzlich nicht vorgesehen. Manche Handwerker arbeiten nur auf Vorkasse, aber ein gesetzlicher Anspruch besteht darauf nicht.

Der stark gestiegene Holzpreis

Bei einigen Baumaterialen gab es in diesem Jahr massive Preiserhöhungen: Die Holzpreise sind wegen Engpässen um bis zu 80 Prozent gestiegen, auch Stahl und Dämmstoffe wurden deutlich teurer. Teilweise stiegen die Preise auch innerhalb von Wochen und hatten dann auch Auswirkungen auf bereits vereinbarte Arbeiten. Ob der Bauherr oder der Handwerker diese Preissteigerungen schultern muss, hängt vom Angebot ab. Tony Selle sagt:

Wenn ein fester Preis vereinbart wurde, dann ist der verbindlich. Ein Preis pro Kubikmeter etwa fürs Holz. Dann trägt der Handwerker das Risiko von Preissteigerungen.

Bei den Handwerkerportalen gibt es unterschiedliche Ansichten zu nachträglichen Preiserhöhungen für einen Auftrag. Max Lehmann von blauarbeit.de sagt mit Verweis auf Gerichtsentscheidungen zu dem Thema:

Der Rechnungsbetrag darf maximal 25 Prozent höher sein als der Kostenvoranschlag. Das geht jedoch nur, wenn der Handwerker direkt über die mögliche Kostensteigerung informiert. Tut er das nicht, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht und müssen nur die Arbeiten bezahlen, die bis zu diesem Zeitpunkt ausgeführt und abgenommen wurden.

Doozer dagegen erlaubt keine Preissteigerungen. Sprecher Thomas Jannaschk sagt:

Unsere Handwerker sind dazu angehalten, ihre Preise stets aktuell zu halten. Wenn der Auftrag durch den Handwerker angenommen wurde, ist eine nachträgliche Preisanpassung nicht zulässig.

Brauchen Handwerker für bestimmte Arbeiten länger als nur ein paar Tage oder wird ein Auftrag erst für einen Termin in ein paar Monaten angenommen, wird häufig eine so genannte Preisgleitklausel eingebaut. Die funktioniert laut Handwerkskammer Leipzig so: Steigen Materialpreise in einem bestimmten Zeitraum um mehr als einen bestimmten Prozentsatz, wird der Preis angepasst und damit neu verhandelt.

Wer hilft bei Pfusch?

Das verwendete Material ist nicht so hochwertig wie besprochen, die Wandeinmauerung im Bad schräg, das Dach undicht: Bessern Handwerker Baupfusch nicht selbst aus, wollen sich die Handwerkerportale für ihre Kunden einsetzen. Thomas Jannaschk von Doozer sagt:

Sollte es trotzdem mal zu Problemen kommen, steht Doozer jederzeit beratend als unparteiischer Mediator für die außergerichtliche Streitschlichtung zur Verfügung. Unsere Bauexperten haben jede Menge Erfahrung und können die Lage in der Regel sehr gut beurteilen und schlichten.

Auch die Handwerkskammern bieten Schlichtungsstellen, die bei Ärger zwischen Kunden und Handwerker vermitteln sollen. Zusätzlich gibt es noch die Universalschlichtungsstelle des Bundes. Allerdings sei eine Schlichtung immer auch freiwillig, sagt Fachanwalt Selle. Ein Handwerker ist also nicht verpflichtet, dem Urteil eines Schlichters auch zu folgen. Es gibt aber eine Ausnahme: Das wird vorab im Vertrag mit vereinbart.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. Oktober 2021 | 11:45 Uhr

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