Holzkunst aus dem Erzgebirge – Original von Fälschung unterscheiden

Erzgebirgische Holzkunst – eine jahrhundertalte Tradition. Bergmänner Nussknacker, Schwibbögen und Co. sind beliebt und teuer. Schließlich steckt viel Handarbeit drin. Wir klären, ob Plagiate aus Fernost ähnlich gut sind und wie sie sich unterscheiden.

Was ist tatsächlich aus dem Erzgebirge?

Produkte der Dregeno, der Seiffener Volkskunst oder Richard Glässer sind Originale aus dem Erzgebirge. Viele Produzenten haben sich im Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V. organisiert. Einen Qualitätsstempel gibt es zwar nicht, jedoch kann man sich an dem sogenannte Reiterlein Aufkleber der Organisation orientieren. Das ist ein Holzmännchen auf einem Schaukelpferd drauf. Aber Achtung: Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit werden die Läden gerne mit vermeintlichen Originalen vollgestopft und da wird der Reiterlein Aufkleber gerne mal als Zertifikat ausgestellt und trotzdem zum Großteil Billigware verkauft. Vorsicht und Skepsis sind da genauso angebracht wie bei vielen anderen Zertifikaten. Im Zweifel und gerade bei teuren Produkten sollte man deshalb direkt beim Händler nachfragen, wo das Produkt herkommt und sich die Echtheit schriftlich bestätigen lassen.

Auch die Formulierung "Vertrieben durch Firma XY aus dem Erzgebirge" sagt überhaupt nichts darüber aus, ob ein Produkt original ist.

Wie du die Unterschiede am Produkt erkennst

Original erzgebirgischer Schwibbogen
Bildrechte: IMAGO / Harald Lange

Figuren, Muster, Farben sowie Druck und Maltechnik werden in Fernost täuschend echt kopiert. Die Verarbeitung ist in den meisten Fällen aber deutlich schlechter als bei den Originalen. Aber das ist auf den ersten Blick nicht immer zu erkennen. Auch dass Figuren nicht ausgesägt, sondern gelasert sind, ist kein Anzeichen. Diese Schnitttechnik wird heute auch im Erzgebirge angewendet. Ein Anhaltspunkt für einen Laien ist der Preis. Wer für 19,90 Euro einen Nussknacker im Discounter findet, kann sich ziemlich sicher sein, das der nicht aus dem Erzgebirge kommt.

Ein gleich großes Original würde rund 80 Euro kosten. Auch zweimal hinschauen kann helfen: Hängt z.B. an einem Schwibbogen eine billige Lichterkette, die mit Heißkleber eingeleimt ist, dann ist der nicht aus dem Erzgebirge.

Vorsicht Hybriden

Um als deutsches Produkt zu gelten, lassen einige Hersteller, auch aus dem Erzgebirge mittlerweile Figuren in China fertigen, die bei uns dann nur noch auf ein Brett geleimt werden. Sollte man also auf Holzkunst mit Bezeichnungen wie "gefertigt in Deutschland oder Deutsches Produkt" treffen, könnte es sich um solche Hybriden handeln. Oft sind die Figuren schlecht bemalt oder bedruckt.

Wo bekommt man echte Erzgebirgische Holzkunst?

Wer ganz sicher gehen will kauft die Holzkunst direkt beim Hersteller vor Ort. Auch auf deren Webseiten oder einem virtuellen Weihnachtsmarkt kann man sich umschauen und das eine oder andere schöne Stück finden.

Wann und wo du die Originale besonders günstig bekommst

Was im Vorjahr nicht rausging oder kleine Schäden hat, wird bei den Erzeugern und Fachhändlern im Erzgebirge einmal im Jahr besonders preiswert angeboten. Bei einem großen Werksverkauf, dem Anwichteln in Rechenberg Bienenmühle, gibt's die Produkte bis zu 50 Prozent unterm eigentlichen Preis. Meist findet das Ende Oktober statt.

Muss es ein Original sein?

Natürlich muss es das nicht. Man kann im Internet oder Billigmarkt einen Nussknacker für 20 Euro statt das Original für 80 Euro kaufen. Echte Erzgebirgsware ist aber komplett reparaturfähig. Sollte eine Figur tatsächlich mal kaputtgehen, tauscht der Hersteller an einer kleinen Figur einen Bart oder ein ähnliches kleines Detail aus. Es geht den Herstellern besonders um Nachhaltigkeit und vielen Kunden um Heimatverbundenheit.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 30. November 2021 | 11:45 Uhr

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