So wird ein Welpe ganz entspannt ein Teil deiner Familie

Welpen sind ja so süß. Man könnte den ganzen Tag mit ihnen knuddeln und rumtollen. Tja und dann? Wie du einen Welpen mit seinen Bedürfnissen so aufnimmst, damit ein zufriedener und verlässlicher Hund draus wird, erfährst du jetzt.

Rennender Labrador Retriever Welpe 1 min
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MDR JUMP Mi 02.12.2020 10:45Uhr 01:04 min

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Die Vorbereitung

Du solltest dich und die Familie wirklich gründlich auf den Einzug vorbereiten. Klärt zusammen ab, ob wirklich alle mit dem Hund einverstanden sind. Ob ihr genug Platz, Zeit und Nerven habt, euch um ein Lebewesen zu kümmern, das viel Aufmerksamkeit braucht. Dazu Hundetrainerin und Züchterin Bettina Krist aus Leipzig: "Allen muss klar sein, dass sie ein Lebewesen bekommen, für das sie die nächsten 10 bis 16 Jahre rund um die Uhr Verantwortung haben und das geistig in etwa auf dem Stand eines anderthalb bis dreijährigen Kindes bleibt."   

Ganz wichtig ist, dass sich alle darauf einigen, was der Hund in Zukunft darf, welche Kommandos man benutzt und wer hauptsächlich verantwortlich ist. Plant als Familie ein, dass die ersten Wochen sowohl am Tag als auch nachts viel los sein wird und ihr nur noch selten euren normalen Rhythmus bekommt.   

Ein hundesicheres Zuhause

Ein bisschen ist es wie bei Kleinkindern im Krabbelalter: Alles was der Welpe nicht zwischen die Zähne bekommen soll, muss hochgeräumt werden. Giftige Pflanzen, teure Teppiche und Möbel, die nicht angeknabbert werden dürfen, solltest du wegräumen.

Der Transport

Schon die Fahrt ins neue Zuhause ist für die meisten Welpen stressig: Autogeruch, Aufregung und Fahrgeräusche können dazu führen, dass der Hund sich übergibt oder ins Auto pinkelt. Darauf solltest du mit Küchenrolle oder einem alten Handtuch vorbereitet sein und bei einer langen Fahrt ein paar Pausen zum Gassi machen und frische Luft schnappen einplanen. Lass dir am besten vom Züchter oder Tierheim ein Handtuch mit dem Geruch seiner Mutter oder/und Geschwister mitgeben, das beruhigt später auch in den ersten Tagen.

Zu Hause sollte der Hund dann ein paar Minuten Zeit im Garten verbringen können um durch zu schnaufen und sein Geschäft zu machen. Ab jetzt wird es aufregend genug.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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27.01.2021, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Derenburg

Die Ankunft, der erste Tag, die ersten Fehler

Wichtig ist, deinem Hund klar zu machen, dass dein zu Hause dein zu Hause ist. Dazu unsere Expertin: "Der Hund darf in Ruhe die Umgebung erkunden, sie müssen ihm aber klar machen, wer Chef ist und was er nicht darf." Wichtig auch: Nicht alle sollten auf den Hund einstürmen. "Hunde sind zwar sehr leicht in eine Gruppe zu integrieren, aber gerade Welpen brauchen einen festen Ansprechpartner an dem sie sich orientieren können, der ihnen Sicherheit gibt", so unsere Expertin, sie rät außerdem, dass dein Hund von Anfang an eine klare Struktur vermittelt bekommt: Wo ist sein Platz, wo sein Fressen, wo darf er Gassi machen, wo darf er nicht hin.

Die Welpen-Welt - Fressen, Schlafen, Spielen

Ein, in eine Decke gehüllter, Hund
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Rückzug und Ruhe sind ganz wichtig. Deshalb sollte das Hundebett für deinen Welpen so stehen, dass er in eine Richtung abgeschirmt ist, euch aber trotzdem noch sehen kann. Wichtig: Der Hund sollte auch von den Kindern an seinem Ruheort nicht gestört werden. Anfangs sollte sich die Hauptbezugsperson in der Nähe zum Schlafen legen, denn dein Welpe muss mehrfach in der Nacht raus und sich lösen, also sein Geschäft verrichten. Dabei musst du lernen auf die Zeichen fürs Bedürfnis zu achten. Auch wenn es noch so lockt, zu viel Spielzeug überfordert den Hund, ein bis zwei Teile reichen völlig. Fürs richtige Futter solltest du dich beim Züchter erkundigen oder im Fachgeschäft beraten lassen.

Beobachte deinen Hund

Nicht jeder Welpe ist gleich, das würde die ganze Menschen-Familie erkennen, wenn sie mal den Wurf, also alle Geschwister und die Hunde-Mutter eine Zeit lang beobachtet. Und so kann es sein, dass du einen schüchternen oder auch frechen und neugierigen Hund bekommst. Beobachte ihn: was mag er, wovor hat er Angst, wobei braucht er meine Hilfe? Danach kannst du langsam und entspannt dein Training und auch die Situation zu Hause richten.   

Das Training - Sitz, Platz, Komm

Wichtig ist, dass du deinen Welpen an solche grundlegenden Kommandos gewöhnst. Das erfordert viel Geduld und Zeit und sollte immer konsequent durchgeführt werden. Aber: Du solltest es am Anfang zeitlich begrenzen, da dein Welpe ja noch ein Baby ist und geistig schnell erschöpft sein kann. Ein paar Minuten drei vier Mal am Tag reichen aus. Wenn du merkst, dass die Konzentration nachlässt und dein Welpe keine Lust mehr hat, zwing ihn nicht, weiter zu machen. Ganz wichtig ist, mit dem Training nicht zu früh zu beginnen. In den ersten Tagen muss dein Welpe zunächst mal den Schock verarbeiten, dass er von Mutter und Geschwistern getrennt wurde. Lass ihm die Zeit.

"Eine Woche sollten sie den Welpen ankommen lassen, dann kann es in die Hunde - beziehungsweise Welpenschule gehen. Dieses Training einmal die Woche reicht aber nicht aus, sie müssen wirklich jeden Tag zu Hause konsequent mit dem Hund arbeiten", mahnt Hundetrainerin Krist.

Nicht zu lange spazieren

Gleiches gilt auch für die Spaziergänge: Welpen sollten am Anfang nicht zu lange laufen müssen. Pro Lebensmonat fünf Minuten reichen am Anfang völlig aus. Alles andere tut ihren Gelenken und der Muskulatur nicht gut. Auch solltest du ihn nicht beim Spazieren gehen nach vorne lassen, das drückt dem Hund Verantwortung auf, der er gar nicht gewachsen ist. Er fühlt sich alleine gelassen und gewöhnt sich auch noch an diese Chefposition. Die behält er von sich aus lebenslang.

Hundeschule reicht nicht - und was sonst noch falsch gemacht wird

Es ist manchmal wie bei uns Menschen: Zu Hause dürfen Kinder alles und dann erwarten die Eltern, dass sich Kindergarten und Schule um die Erziehung kümmern. Das funktioniert nicht. "Deshalb reicht es auch nicht, wenn sie den Welpen einmal die Woche in eine Spielgruppe stecken und denken, damit wäre er genügend sozialisiert", warnt die Hundetrainerin Krist. Tatsächlich musst du dich selbst intensiv und mit viel Zeit um die Welpenerziehung kümmern. Das bedeutet zum Beispiel, dass dein Welpe an viele ungewohnte Situationen herangeführt und ihm das richtige Verhalten damit beigebracht werden muss. Das sind Begegnungen mit anderen Tieren und Menschen genauso, wie neue Geräusche oder Gegenstände am Bahnhof, der Schule oder in einem Supermarkt. Wichtig: Du musst in diesen Situationen dem Hund vermitteln, dass sie nicht schlimm oder gefährlich sind.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 02. Dezember 2020 | 10:45 Uhr

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