Autokindersitze: Hände weg von Sitzerhöhungen

Kinder bis zwölf Jahren oder unter 1,50 Meter Körpergröße müssen im Auto auf einen Kindersitz. Der soll sie besser schützen und vor Schäden bewahren. Stiftung Warentest und der ADAC testen jedes Jahr verschiedene Modelle. Ergebnis 2020: viele schneiden gut ab, darunter auch günstige Modelle für deutlich unter 100 Euro.

Eine Mutter schnallt ihren Sohnemann im Autokindersitz an. 1 min
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MDR JUMP Di 14.07.2020 10:45Uhr 01:11 min

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Modelle für verschiedene Altersklassen

Kindersitze müssen der Größe des Kindes angepasst sein. Für verschiedene Altersklassen gibt es daher auch verschiedene Sitze. Der Test von ADAC und Stiftung Warentest belegt: Es gibt für jede Größe gute und sehr gute Sitze, ein Modell bekam nur die Note mangelhaft.

Babyschale

Rückwärtsgerichtet in einer Schale liegen Kinder bis sie etwa ein Jahr alt sind. Praktisch ist eine Isofixbasis, die im Auto eingebaut bleibt, während man das Baby samt Sitzschale herausnimmt. Möglich ist auch, die Babyschale ohne Basis mit dem Fahrzeuggurt anzuschnallen. Bei beiden Varianten gibt es Sitze mit einem guten und sehr guten Unfallschutz.

Babys sollten so lange wie möglich die rückwärtsgerichtete Babyschale verwenden. Die Belastung für die Halswirbelsäule des Kindes beim Bremsen und erst recht beim Unfall ist geringer. Man sollte erst zu einem vorwärtsgerichteten Sitz übergehen, wenn der Kopf des Kindes über den oberen Schalenrand überragt. Hier bekamen alle Modelle die Note gut oder sehr gut. Das beste Modell ist mit 520 Euro auch das teuerste.

Sitze für Kleinkinder von ein bis vier Jahren (Gruppe I)

Ein Mädchene sitzt angeschnallt im Kindersitz
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Jetzt können die Kinder schon in einen vorwärtsgerichteten Sitz. Besonders gut sind Modelle mit Fangkörper, bei dem das Kind nicht per Gurt, sondern einem Kissen fixiert wird. Lässt sich der Sitz mit Isofix sichern, ist der Unfallschutz besonders hoch. Dazu wird der Sitz mit stabilen Metallhaken mit dem Auto verankert. Wer sein Kind noch eine Weile rückwärts mitfahren lassen möchte, wegen der deutlich höheren Sicherheit, der kann zu einem Reborder greifen. Immer öfter gibt es die auch mit Schwenkfunktion, so dass die Kids komfortabel ein- und aussteigen können.

Sitze für Kinder von vier bis zwölf Jahren (Gruppe II und III)

In dieser Altersgruppe werden Kind und Sitz mit dem Autogurt festgeschnallt. Wichtig ist, dass auch größere Kinder niemals ohne Rückenlehne den Sitz benutzen, das schwächt den Unfallschutz.

Mitwachsende Kindersitze für Kinder von ein bis zwölf Jahren (Gruppe I,II,III)

Mit einem mitwachsenden Kindersitz können Eltern Geld sparen. Ab etwa einem Jahr, wenn das Kind aus der Babyschale gewachsen ist, kann solch ein Sitz bis zum Alter von zwölf Jahren genutzt werden.

Alternative Sitzkissen?

Einfache Sitzerhöhungen ohne Rückenlehne und Kopfstütze sind nicht empfehlenswert. Sie dienen lediglich als Notbehelf, da sie keinen Seitenaufprallschutz bieten. Gurt und Kind werden nicht optimal zueinander positioniert. Nach 2017 produzierte Sitzkissen ohne Lehne dürfen nur noch für Kinder genutzt werden, die größer sind als 1,25 m.

Faltbare Sitze

Für Eltern, die Carsharing nutzen, sind diese Modelle praktisch. Man kann sie einfach zum Leihauto transportieren und zu Hause platzsparend lagern. Im aktuellen Verbraucherschutztest wurden zwei Modelle untersucht und bekamen die Note befriedigend. Damit übertreffen sie die gesetzlichen Anforderungen deutlich.

Nach jedem Unfall einen neuen Sitz

Man sollte nach jedem Unfall den Sitz austauschen, denn man kann nicht wissen, ob der Sitz Schaden genommen hat, rät die Stiftung Warentest. Aus demselben Grund sollte man auch von Flohmarktkäufen die Finger lassen. Gebrauchte Autositze sollte man nur verwenden, wenn man die Vorgeschichte kennt.

Probe-Einbau

Kindersitze sollten vor dem Kauf zur Probe in das Auto eingebaut werden. Dabei muss man darauf achten, dass die Fahrzeuggurte lang genug sind, denn Sitze mit Fangkörpern und Babyschalen brauchen viel Gurt. Auch muss man prüfen, ob man im Auto genug Platz zwischen Rückbank und Vordersitzen hat. Ist der Fußraum sehr eng, scheidet die Rückbank für rückwärtsgerichtete Sitze oft aus. Denn dann müsste der Beifahrersitz so weit nach vorne geschoben werden, dass man dort kaum noch sitzen kann. Kindersitze mit hoher Rückenlehne liegen oft besser am Autositz an, wenn man die Autokopfstütze umdreht oder entfernt

Kinder sitzen besser hinten

Zwei kleine Mädchen auf ihren Autokindersitzen.
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Gut fixiert in Kindersitzen fahren Kinder in der hinteren Sitzreihe sicher. Vorteil der hinteren Plätze: Hier gibt es Isofix-Ösen, Kindersicherungen und kein Problem mit dem Airbag. Wenn aber viele Kinder mitfahren, dann braucht man mitunter auch den Beifahrersitz. Wer einen rückwärtsgerichteten Sitz vorn platzieren will, muss zwingend den Airbag ausschalten. Dieser kann sonst eine tödliche Falle werden. Wenn das Kind in Fahrtrichtung sitzt, bleibt der Airbag an, dafür sollte aber der Beifahrersitz so weit wie möglich zurückgeschoben werden. So fängt der Airbag das Kind zwar auf, trifft es nicht aber mit voller Wucht.

Spartipp: Mitwachsende Kindersitze

Viele Modelle vereinen Babyschale und Sitz für Kleinkinder (Reboarder). Wenn sich das Kind gut ans rückwärts-fahren gewöhnt hat, kann es im besten Fall die ersten vier Jahre darin sitzen. Wenn es rausgewachsen ist, kann man sich einen Sitz holen, der biszum Alter von zwölf Jahren genutzt werden kann. Oder man macht es so: erst eine Babyschale und dann einen mitwachsenden Sitz für Kinder von ein bis zwölf Jahren. Wer einen Sitz so lange nutzen will, sollte auf gute Qualität achten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. Juli 2020 | 10:45 Uhr

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