Sehnsucht Kind: Diese Hilfen gibt es

Die Zahl der Geburten nach einer künstlichen Befruchtung steigt in Deutschland steil an. Die Zahl der Kinderwunsch-Behandlungen stieg von 2011 von rund 80 000 auf knapp 100 000 im Jahr 2015.

Die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch sind vielfältig und können in Kombination auftreten. Verspätete Familienplanung, chronische Krankheiten und Fruchtbarkeitsstörungen kommen zum Beispiel in Frage.

Je nach Ursache für die Kinderlosigkeit stehen spezifische Therapien zur Verfügung, von Medikamenten zur Hormoneinstellung bis hin zu künstlichen Befruchtungen. Allerdings gibt es insbesondere bei Verfahren mit Stimulationstherapie das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften. Auch Fehlgeburten kommen vor. Unter bestimmten Umständen können Paare in manchen Bundesländern eine finanzielle Unterstützung für die oft kostspieligen Behandlungen bekommen.

Fakt ist: Mit Rechenmethoden oder gar Apps zur Ermittlung des idealen Zeitpunktes für die Befruchtung setzen sich manche Paare schon sehr schnell unter Druck. Dafür besteht aber in den meisten Fällen gar kein Grund. Rund 85 Prozent aller Frauen werden auf natürlichem Weg schwanger. Dabei ist es egal, ob die Frau früher die Pille genommen hat oder nicht.

Erster Ansprechpartner ist der Gynäkologe

Frauen mit Kinderwunsch sind zunächst bei ihrem Gynäkologen am besten aufgehoben. Ist noch völlig offen, warum man nicht schwanger werden kann, dann sollte der Mann sich einen Termin beim Urologen besorgen, um die Fruchtbarkeit des Spermas zu testen. Er kann er aber auch mit zum Gynäkologen und/oder später in ein Kinderwunschzentrum gehen.

Rein rechtlich kann man auch ohne Überweisung von einem Facharzt einen Termin in einem Kinderwunschzentrum bekommen.  

Einmal Vater, immer Vater?

Hat es beim Mann schon mal mit einer Vaterschaft geklappt, ist das für spätere Versuche keine Garantie. Aber: Auch Männer können durch eine ungesunde Lebensweise im Laufe der Zeit unfruchtbar werden.

Orte der besonderen Sorte: Kinderwunschzentrum Leipzig
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Spätestens im Kinderwunschzentrum wird die genauen Ursachen der Unfruchtbarkeit ermittelt. Gemeinsam werden dann alle Möglichkeiten wie etwa Hormonbehandlung oder künstliche Befruchtung besprochen und durchgeführt. Dabei besteht eine gute Aussicht auf Erfolg. Rund 80 Prozent der Paare kann geholfen werden. Für die Behandlung im Kinderwunschzentrum muss man ungefähr ein Jahr einplanen, wobei das bei dem einen oder anderen Fall auch länger werden kann.

Der Kostenfaktor

Eine künstliche Befruchtung ist teuer. Die Kosten liegen je nach Behandlungsform bei bis zu 4500 Euro. Dabei erhalten gesetzlich Krankenversicherte unter Bestimmten Voraussetzungen bei jeder Krankenkasse etwas die Hälfte der genehmigten Behandlungskosten erstattet. Als Voraussetzung für eine teilweise Übernahme der Kosten muss das Paar verheiratet sein. Beide müssen mindestens 25 Jahre alt - er darf nicht älter als 50, sie nicht älter als 40 sein. Es lohnt sich auch, bei der eigenen Krankenkasse nach einem Extra-Zuschuss zu fragen. Manche Kassen zahlen über den gesetzlichen Anteil hinaus einen weiteren Zuschuss.

Paaren, die in nichtehelicher Lebensgemeinschaft leben, werden künftig Zuwendungen für die erste bis dritte Behandlung in Höhe von bis zu 12,5 Prozent und für die vierte Behandlung bis zu 25 Prozent des Selbstkostenanteils gewährt.

Daneben gibt es Landesprogramme für kinderlose Paare. Unter Umständen ist dabei ein weiterer Zuschuss von bis zu 50 Prozent der Kosten möglich. In Sachsen ist der Zuschuss aus dem Landeshaushalt nach Art und Anzahl der Behandlungen gestaffelt. Gefördert werden bis zu vier Versuche. Wie viele Versuche unternommen werden, entschieden die Betroffenen. Und: Die selbstgetragenen Kosten kann als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden.

Eine hölzerne Storchenfigur
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Begleitung durch einen Therapeuten

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann schnell zur großen psychischen Belastung für beide Partner werden. Denn, die Erwartung, dass es mit der künstlichen Befruchtung oder der Hormontherapie endlich klappt, ist oft sehr groß. Und wenn es dann einen Fehlschlag gibt, kann das sehr schwer für beide sein. Deshalb raten unsere Experten, sich schon frühzeitig begleitend psychologisch beraten zu lassen. Entsprechende Fachkräfte beraten die Paare auch in Kinderwunschzentren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. Januar 2022 | 11:45 Uhr

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