Deine Rechte bei kontaktloser Paketzustellung

Wir verschicken aktuell satte 20 Prozent mehr Pakete als zu Weihnachten. Um ihre Mitarbeiter zu schützen, handhaben Paketdienstleister die Zustellung noch lockerer als ohnehin. Was musst du dir gefallen lassen und was nicht?

Paket 1 min
Bildrechte: Colourbox

MDR JUMP Di 11.08.2020 10:45Uhr 01:03 min

Audio herunterladen [MP3 | 998,2 KB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 1,9 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/regeln-fuer-die-kontaktlose-paketzustellung-100.html

Rechte: MDR JUMP

Audio

Das sind die Regeln für die Zustellung

Der Postbote muss nur einen Versuch unternehmen, dir dein Paket zuzustellen. Trifft er dich nicht an, muss er dir aber mehrere Möglichkeiten geben, an dein Paket zu kommen. Denkbar sind die Abgabe beim Nachbarn, an einem sicheren Ablageort oder du bekommst die Möglichkeit, das Paket an einer Station oder in einem Shop abzuholen. Auch in Corona-Zeiten gilt: Pakete dürfen nicht ohne Aufsicht zugestellt werden. In der Praxis passiert aber genau das. Und wenn du denkst, dagegen gibt es ja wohl Gesetze, dann schränkt Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen ein: "Die Regeln zur Postzustellung oder Paketübergabe sind ohnehin nur sehr allgemein verfasst. Da bewegen wir uns auch ohne Corona schon in einer Grauzone. Und jetzt weiten die Anbieter das eben immer mehr aus. Hier fehlt ganz klar der Gesetzgeber." Am besten versuchst du, von vornherein zu checken, wann dein Paket ankommt um es selber anzunehmen.

Wie die Lieferdienste Grauzonen ausweiten

Damit Paketboten sich bei der Übergabe nicht anstecken, verzichten einige Lieferdienste aktuell auf eine Unterschrift des Empfängers. Stattdessen unterschreiben die Zusteller selber oder machen ein Foto von der Ablage. Das dürfen sie in der Theorie aber nur, wenn der Empfänger auch dabei ist.

Das musst du bei Paketannahme beachten

"Sie müssen es überhaupt nicht hinnehmen, dass ein Paket einfach irgendwo abgestellt wird. Der Zusteller muss nachweisen, dass Sie bei der Übergabe anwesend waren, alles andere zählt nicht", mahnt unser Experte von der Verbraucherzentrale. Ausnahme: Du hast einen sicheren Ablageort vereinbart. Ein Päckchen einfach an den Zaun zu hängen oder vor das Hoftor zu legen, das musst du dir nicht gefallen lassen. Das bestätigt auch Rechtsanwalt Stefan Hoppe aus Leipzig: "Sowas bezeichnet man als herrenloses Paket. Einen Nachweis über die Zustellung gibt es somit nicht, im Verlustfall muss der Dienstleister, also der Paketdienst haften."    

Wer haftet bei Verlust oder Schäden auf dem Lieferweg?

Hierbei ist wichtig, bei wem du deine Ware bestellt hast. „Der gewerbliche Versandhändler trägt immer das Verlustrisiko bei der Lieferung“, so Rechtsanwalt Hoppe. Geht ein Paket also verloren oder wird beschädigt, dann ist das ein Problem des Händlers. Anders, wenn der Absender zum Beispiel ein privater eBay-Verkäufer ist. Hat der die Ware ordentlich aufgegeben und kann das nachweisen, dann hast du den Schaden. Es sei denn, der Paketdienst haftet laut Geschäftsbedingungen für den Verlust, dann allerdings meist nur bis zu 750 Euro. Teurer Schmuck und Bargeld sind in der Regel davon ausgenommen. Bei sowas solltest du den Versand also immer versichern. Im ersten Schritt solltest du aber mit Hilfe des Paketdienstes nach deinem Paket suchen.

Wie du dich bei Beschädigungen verhältst

Beschädigtes Paket.
Bildrechte: imago/photothek

Das Problem: Viele Übergaben gehen so schnell, dass man eine Beschädigung nicht auf den ersten Blick bemerkt. Und kein Paketbote wird wirklich solange warten, bis du dein Paket aufgemacht und den Inhalt gründlich untersucht hast. Hat er deine Unterschrift, ist er weg. Aber: "Mit der Unterschrift bestätigen Sie nur, dass das Paket äußerlich unversehrt ist. Bemerken Sie einen Schaden beim Auspacken, haben Sie trotzdem Anspruch auf Entschädigung", so Michael Hummel. Solch einen Schaden musst du innerhalb von sieben Tagen beim Lieferdienst melden - schriftlich mit Nachweismöglichkeit. Und gleichzeitig meldest du die beschädigte Ware deinem gewerblichen Händler. Der hat mit dir einen Vertrag und ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Ware heil bei dir ankommt. Du solltest ihm schriftlich eine Frist zur Nachbesserung setzen.

Warum ein Übergabeort wirklich sicher sein muss

Um Pakete nicht persönlich entgegen zunehmen, bieten die meisten Zustelldienste an, Sendungen an einem Ablageort zu hinterlegen. Das muss schriftlich (es geht auch online) vereinbart werden. Wichtig: Wenn der Zusteller per Foto oder eidesstattlicher Erklärung nachweisen kann, dass er das Paket abgelegt hat und es ist trotzdem weg, hast du das Problem auf deiner Seite. Deshalb sollte der Ablageort wirklich sicher, trocken und vor allem nicht einsehbar sein.

Wo du dich im Ernstfall beschweren kannst

Zuerst solltest du Kontakt zum Paketdienstleister aufnehmen und per Hotline oder Mail versuchen, das Problem zu klären. Geht er nicht darauf ein, kannst du dich an eine unabhängige Schlichterstelle wenden. Der Erfolg ist laut unserem Experten Michael Hummel allerdings nicht garantiert. "So eine Schiedsstelle kann eine Möglichkeit sein. Das Problem ist nur, keine der streitenden Parteien muss sich an den Schiedsspruch halten. Und auch der Gang zum Anwalt ist keine Garantie auf Erfolg, weil eben die Rechtslage unklar ist." Auch Anwalt Stephan Hoppe warnt: “Überlegen Sie genau, ob sich der Aufwand lohnt. Die großen Dienstleister haben meist auch große Rechtsabteilungen und einen langen Atem.“

Wie du am sichersten bestellst

Du kannst bei einer Online-Bestellung natürlich bequem per Kreditkarte, Sofort-Überweisung und Ähnlichem bezahlen. Dann ist aber dein Geld weg, bevor du die Ware bekommst. Besser: Du bestellst auf Rechnung oder per Nachnahme. So musst du erst bezahlen, wenn du die Ware einwandfrei bei dir zu Hause hast. Dafür brauchst du natürlich eine gute Schufa-Auskunft.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. August 2020 | 10:45 Uhr

Mehr Quicktipps