Reiten lernen - darauf solltest du achten

Pfeeeerde!!! Besonders wer Töchter hat, kennt den begeisterten Ausruf bei Fahrten übers Land. Reiten ist toll, es kann sogar fürs Pferd schön sein. Aber auch frustrieren, wenn du es falsch angehst. Wir beschreiten jetzt den richtigen Pfad.

Darum ist Reiten so schön

Natürlich ist es ein Traumbild: Der einsame Ritt in den Sonnenuntergang. Aber genauso traumhaft kann es laut Pferdexpertin und Autorin Petra Haubner auch sein: "Du bist draußen in der Natur, an der frischen Luft. Du hast deinen Partner Pferd dabei. Diese Verbindung zum Tier, das einen auch vom Stress runterbringt, löst bei vielen Reitern tatsächlich Glücksgefühle aus." Für Kinder ist es eine ganz besondere Erfahrung, Vertrauen zu einem so großen Tier aufzubauen und dieses Vertrauen auch zurück zu bekommen. Und auch für Erwachsene ist Reiten eine positive Herausforderung. "Sie müssen für eine gute Beziehung zum Pferd nämlich an ihrer eigenen Persönlichkeit arbeiten", so unsere Expertin

Wichtig: Das Pferd ist dein Partner – keine Sportunterlage

Egal auf welchem Weg du dich dem Reiten und damit einem Pferd näherst, du solltest es mit Respekt und Aufmerksamkeit angehn. Ein Pferd ist kein unwilliger Gaul, den du dominieren musst. Es geht vielmehr um eine Zusammenarbeit, die du anleiten solltest. Du brauchst: Vertrauen in dich selbst, Ruhe, Gelassenheit und dennoch genügend Spannung, um den Sport Reiten für dich und das Pferd möglichst sicher und schonend auszuführen. Gegenbeispiel: Als nasser, schlaffer Sack oder hippeliger, gestresster Smartphonejunkie gehörst du nicht auf's Pferd. Und das gilt auch für dein Kind.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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19.05.2021, 19:50 Uhr /
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aus dem Hundezentrum Niederreißen

Dauerhaft Training oder kurzer Reiturlaub?

In einer Woche lernt die ganze Familie Reiten. Ähm – nö!!! Natürlich ist der Wochenurlaub auf dem Reiterhof/Pension völlig legitim und eine gute Möglichkeit, sich dem Tier Pferd mal ausgiebig und intensiv zu nähern. Das kann aber immer nur ein Anfang sein. "Um Reiten zu lernen brauchst du Jahre, egal ob als Kind oder im Erwachsenenalter und auch egal in welcher Gruppengröße. Aber der Weg ist das Ziel und Teil des Ganzen Spaßes", so Petra Haubner. Willst du also richtig Reiten lernen und das Hobby dauerhaft betreiben, sind ein Reitsportverein, eine Reitbeteiligung oder einzelne Reitstunden deine Möglichkeiten. Und wenn es nach deinen Kindern geht, muss natürlich ein eigenes Pferd her. Aber das kostet, vor allem in der Unterhaltung.

Ja, auch du solltest fit sein

Für Kinder, die nicht halbwegs beweglich sind, ist es eher unproblematisch im Sattel zu sitzen. Hast du als Erwachsener seit Jahrzehnten keine Turnhalle mehr von innen gesehen, solltest du dich auf die ersten Reitstunden körperlich vorbereiten. Und das sieht unsere Expertin Petra auch im Sinne des Pferdes: "Reiten ist definitiv Sport. Eine gewisse Grundfitness solltest du schon mitbringen. Je stabiler du auf dem Pferd sitzt, desto leichter wird es auch für das Tier. Leichte Personen, die völlig ohne Spannung im Sattel rumrutschen, können für das Pferd viel belastender sein, als ein schwererer Reiter mit ordentlicher Körperspannung." Wichtig: Dein Pferd sollte zu deinem Gewicht passen. Ein erfahrener Trainer wird dir das richtige Tier zuweisen. Aber du solltest dich auch selbst fragen, ob du mit über 100 Kilogramm wirklich auf ein Tier gehörst.

Wann kann es für Kinder losgehen?

Ein kleiner Junge nähert sich 2003 einem Pferd
Bildrechte: IMAGO / Ulmer

Auch wenn die Kleinen noch so drängeln, gleich in der ersten Reitstunde auf's Pferd, muss nicht sein. Das Tier, Umgang und Pflege sollten erstmal grundsätzlich kennengelernt werden. Dazu empfiehlt unsere Expertin: "Mit vier bis fünf Jahren kannst du Kinder spielerisch an Pferde heranführen. Und mit sechs bis sieben können sie dann in erfahrenen Händen regelmäßig zum Reiten gehen."

Was brauchst du zum Start?

Du kannst dich für mehrere hundert Euro so richtig schick einkleiden, oder du fragst mal in der Schule/Pension nach, was denn unbedingt sein muss. Meist reichen für den Anfang ein paar robuste hohe Schuhe oder Stiefel, Hosen und Shirt und ein paar Lederhandschuhe. Wichtig: Ein Reithelm muss sein, in der Schule gibt es den oft geliehen. Willst du dauerhaft auf's Pferd, brauchst du einen gut sitzenden normgerechten eigenen Helm. Dafür musst du ab 100 Euro einplanen.

Wie findest du die passende Reitschule/Pension? Hör auf deinen Bauch!

Es gibt kein Zertifikat, keinen TÜV oder ähnliches für einen guten Reiterhof. Wichtig sind entspannte, freundliche Trainer und Lehrer, die dir in Ruhe alles erklären. "Wird in der Schule auf Grundlagen, wie etwa Bodenarbeit oder Kommunikation mit dem Pferd geachtet, gibt es eine Sitzschulung, werden dir die Basics im Umgang mit Pferden vermittelt", das hält unsere Expertin für gute Anzeichen. Ein weiterer Punkt: Die Pferde müssen maximal zweimal am Tag zur Reitstunde, den Rest haben sie reichlich Platz und Zeit auf der Koppel und im Stall. Seriöse Reitschulen bieten absoluten Anfängern erstmal Einzelunterricht, um die wichtigsten Grundlagen zu vermitteln. Und auch im Gruppenunterricht sollten nie mehr als drei bis vier Reiter unterwegs sein. Versuche rauszufinden, ob es den Tieren gut geht, ob ihre Ställe und Plätze sauber, hell und freundlich sind. Gleiches gilt für das Equipment: ist es in Ordnung oder abgeranzt? Bei Reiterferien weit entfernt kannst du natürlich schwer im Vorfeld prüfen, wie es vor Ort aussieht. Einen Reiterhof in der Nähe kannst du hingegen schon mal vorher unter die Lupe nehmen. Noch ein Tipp unserer Expertin: "Es ist zwar kein Garant aber gerade für Kinder sind Schulen mit einem sogenannten Hippolino-Konzept ganz gut. Das zeigt, dass sie sich wenigstens schon mal mit einem pädagogische Ansatz in der Ausbildung beschäftigt haben."

Was soll es denn kosten?

Bitte auf keinen Fall zu wenig. Eine Reiterpension, die dir für knapp 200 Euro eine ganze Woche Unterkunft inklusive Vollpension und Reitstunden bietet, solltest du meiden. Hier wird irgendwo kräftig gespart, meistens bei den Tieren. Realistisch für eine Woche Reiterferien mit gut 10 Reitstunden und allem Drum und Dran sind 500 bis 600 Euro pro Person. In Familie kann es etwas preiswerter werden. Gute Reitstunden kosten ab 30 Euro. Hier kommst du mit einer Zehnerkarte oder ähnlichen Bonusangeboten etwas günstiger weg.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. April 2021 | 10:45 Uhr

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