Welche Rechte habe ich beim Arzt?

Eine Situation, die jeder kennt: Obwohl man pünktlich zum Termin beim Arzt ist, sitzt man stundenlang. Dann kommen alle anderen gefühlt auch noch eher dran und wenn man es tatsächlich ins Behandlungszimmer geschafft hat, nimmt sich der Arzt kaum Zeit. Welche Rechte man in so einer Situation hat, das klären wir jetzt.

Im Warteraum 1 min
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MDR JUMP Mi 08.07.2020 10:45Uhr 01:02 min

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Ist es Pflicht einen Hausarzt zu haben?

Gesetzlich Versicherte haben freie Arztwahl. Es gibt keine Verpflichtung einen Hausarzt zu konsultieren, egal bei welchen Beschwerden. Allerdings bieten die Krankenkassen verschiedene Hausarztmodelle an, bei denen sich der Patient verpflichtet, immer zuerst zum Hausarzt zu gehen. Im Gegenzug erstattet die Krankenkasse bestimmte Behandlungskosten oder befreit von der Zuzahlung.

Was beinhaltet ein Behandlungsvertrag?

Der Vertrag kommt automatisch zustande, sobald man eine Praxis betritt. Eine Unterschrift ist dafür nicht nötig. Der Arzt verpflichtet sich dabei, den Patienten nach dem aktuellen Kenntnisstand der Medizin mit allen notwendigen und sinnvollen Mitteln zu behandeln. Hält er beispielsweise eine teure Untersuchung in einem CT oder MRT für nicht nötig, dann hat man das Recht auf eine Zweitmeinung. Stimmt der andere Arzt seinem Kollegen zu, dann kann diese Untersuchung nicht erzwungen werden. Ein Recht auf Behandlungs- oder Heilungserfolg hat man ebenfalls nicht.

Welche Pflichten hat der Arzt?

Der Arzt muss verständlich und umfassend über Diagnose, Krankheit, Behandlung und eventuell Kosten aufklären. Einzige Ausnahme: in einem Notfall kann der Arzt auf die Vorabinformation verzichten und sofort behandeln. Beratung und Behandlung müssen umfassend dokumentiert werden. Bei einem Arztwechsel hat man das Recht auf die Herausgabe der Patientenakte.

Die mit dem Behandlungsvertrag verbundenen Rechte und Pflichten gelten für alle Patienten, egal ob privat oder gesetzlich versichert.

Muss ich lange Wartezeiten hinnehmen?

Den größten Ärger lösen oft überlange Wartezeiten aus - trotz eines vereinbarten Arzttermins. Aber die schlechte Nachricht für die Patienten:

Es gibt keine pauschale Regelung, wie lange man maximal beim Arzt warten muss. Das kommt auf die Organisation der Arztpraxis an. Bei Notfällen oder Patienten, bei denen die Behandlung länger dauert als geplant, kann es immer zu Verzögerungen kommen.

Auch wann welcher Patient zum Doktor reinkommt, liegt in den Händen des Praxisteams. Entsprechende Schilder und Hinweise in vielen Arztpraxen sind also durchaus berechtigt. Der Arzt ist frei in der Organisation seiner Praxis.

Darf die Praxis eine Behandlung verweigern?

Krankheiten kommen nicht geplant und erfordern zum Teil eine schnelle Behandlung. Hat man eine dicke fette Erkältung oder ein anderes akutes Leiden, dann sollte man direkt in eine Arztpraxis gehen. Gar nicht erst vorher anrufen, denn da läuft man Gefahr, tatsächlich vertröstet und abgewimmelt zu werden.

Rein rechtlich darf eine Arztpraxis keine Patienten abweisen. Der Arzt muss wenigstens einen kurzen Blick auf die Beschwerden werfen, Symptome abfragen und dann beurteilen, wie es weitergeht.

Wo kann man sich beschweren wenn man unzufrieden mit der Behandlung war?

Wenn man mit der Beratung, Behandlung oder Terminvergabe nicht zufrieden ist, kann man sich entweder an seine eigene Krankenkasse wenden oder an die Kassenärztliche Vereinigung. Eine weitere Anlaufstelle ist die Unabhängige Patientenberatung Deutschland. Kurz UPD. Dort wird man dann an entsprechende Stellen für die Beschwerden vermittelt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 08. Juli 2020 | 10:45 Uhr

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