Trolle im Netz: So reagierst du richtig auf Hass und Krawall im Internet

Sie grätschen in Diskussionen hinein, verursachen Chaos und verbreiten Hass im Internet - die „Trolle“ sind gefürchtete Teilnehmer in Kommentarspalten. Wie reagiert man darauf richtig?

Trolle, Verächter, Krawallmacher - die Online-Kommentarspalten werden einer Studie zufolge zunehmend als Hass-Plattformen wahrgenommen. Dabei, so eine Studie der Hamburg Media School, verfasse nur ein Prozent der Nutzer hassgeladene Kommentare. Eine „kleine laute Minderheit“ beherrsche den digitalen Diskurs, die Mehrheit schweige.

Die Initiative „HateAid“ will Opfern von Hasskommentaren im Internet helfen, sich juristisch zu Wehr zu setzen - unter anderem mit Rechtsberatung und der Übernahme von Prozesskosten. „Es muss klar sein: Das Netz ist kein rechtsfreier Raum“, sagte die Geschäftsführerin von HateAid, Anna-Lena von Hodenberg. Deshalb müsse man Betroffenen Instrumente an die Hand geben, um sich gegen die Täter zu wehren.

HateAid arbeitet mit Anwälten zusammen, die zivilrechtlich gegen die Verfasser von Hasskommentaren vorgehen. Die Initiative soll sich langfristig durch die erstrittenen Schadensersatzansprüche sowie durch Spenden finanzieren.

Jeder kann etwas gegen Netz-Pöbler tuen

Egal ob man persönlich betroffen ist oder mitbekommt, dass jemand anders im Internet angegriffen wird, jeder kann etwas tun. Unsere Experten meinen, wichtig sei es, Aufzustehen und Courage zu zeigen – wie im echten Leben. Aber dabei müsse man sich nicht unbedingt in die Diskussion stürzen. Oft reicht es auch, dem Betroffenen seine Solidarität zu zeigen. Das kann man beispielsweise mit einer persönlichen Nachricht tun. Das ist aber auch der Fall, wenn man entsprechende Beiträge dem Seitenbetreiber meldet oder in sehr krassen Fällen auch die Polizei informiert.

Erst kürzlich ist ein neues „Gesetz gegen Hasskriminalität im Netz“ in Kraft getreten. Nun drohen bei Beleidigungen im Netz bis zu zwei Jahre Haft. Der Strafrahmen bei Mord- und Vergewaltigungsdrohungen im Internet wurde auf bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe angehoben. Ab Februar 2022 müssen soziale Netzwerke zudem Mord- und Vergewaltigungsdrohungen und andere schwere Hassdelikte nicht mehr nur löschen, sondern auch dem Bundeskriminalamt melden.

Umfrage zeigt viel Hass im Netz

Von den 525 Teilnehmern der YouGov-Umfrage, die problematische Inhalte in sozialen Netzwerken wahrnahmen, sagten 78 Prozent, sie seien mit falschen Informationen konfrontiert gewesen. 63 Prozent berichteten von manipulativen und 60 Prozent von hetzerischen und 56 Prozent von verletzenden Inhalten. 33 Prozent hatte bedrohliche Inhalte bemerkt. Je jünger oder gebildeter Befragte waren, desto häufiger begegneten sie nach eigenen Angaben solchen Inhalten. Unklar ist dabei allerdings, ob diese Menschen tatsächlich häufiger mit Fake News oder Hetze konfrontiert waren oder bestimmte Dinge häufiger als problematisch wahrgenommen haben.

In Messengerdiensten wie WhatsApp oder Telegram ist nur ein knappes Viertel der Befragten mit problematischen Inhalten in Kontakt gekommen. Sie widersprechen solchen Inhalten dort nach eigenen Angaben auch häufiger als in sozialen Netzwerken.

Wichtig: Achtsam mit Daten umgehen

Wer äußerst sparsam mit den eigenen Daten umgeht, kann so verhindern, eine Steilvorlage zu liefern und so selbst Opfer von Hetze im Netz zu werden. Professor Lars Koch von der TU Dresden sieht aber genau dieses Vorgehen als schwierig an, weil das dazu führen kann, den demokratischen und gesellschaftlichen Diskurs im Netz zu stören: "[Das] ist genau das, was Hass-Autor/innen erreichen wollen. Sie wollen den Diskurs homogenisieren, kontrollieren und Andersdenkende einschüchtern, ausgrenzen, zum Verstummen bringe." Deswegen sollte jeder im besten Falle abwägen, was er preisgibt und was die Konsequenzen sein könnten.

Der Journalist Richard Gutjahr empfiehlt Opfern von Hass-Kampagnen im Netz, zurückzuschlagen. Wer zum Ziel von Hasskampagnen, Morddrohungen und Verschwörungstheorien werde, könne das nicht durch Aussitzen lösen, sagte der langjährige Reporter und Nachrichten-Moderator bei der Internetkonferenz re:publica. "Identifiziert die Wortführer und versucht, diese mit allem was ihr habt zu treffen."

Fakt ist, in Postings und Kommentaren auf sozialen Netzen toben mitunter Hass und Hetze. Die Facebook-Gruppe «#ichbinhier» hält gezielt dagegen. Wenn eine Debatte aus dem Ruder läuft, schalten sich die Mitglieder unter dem Hashtag mit sachlichen Kommentaren ein. Dafür gab es sogar den Grimme Online Award.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 16. September 2021 | 11:45 Uhr

Mehr Quicktipps