Was tun, wenn das Zeugnis schlecht ist

Der Tag der Zeugnisübergabe rückt in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen näher und näher. Für etliche Schülerinnen und Schüler ein Tag, an dem die Vorfreude auf die Sommerferien getrübt sein kann, wenn die Noten auf dem Zeugnis nicht so gut sind, wie erhofft.

Die gute Nachricht zuerst: Zensuren sagen meist nicht allzu viel über Intelligenz aus. Es kann schon mal vorkommen, dass die ein oder andere Note schlecht ausfällt. Wichtig ist es, die Gründe dafür zu erforschen. Kann mein Kind den Lehrer nicht leiden oder umgekehrt? War das Kind faul oder hat es den Stoff nicht verstanden? Wurden Arbeiten unfair benotet?

Wie sich Eltern verhalten sollten

Natürlich kann es für Eltern ein Schock sein, wenn das Zeugnis schlechter als erwartet ausfällt. Deshalb solltest du erst mal tief durchatmen, wenn du die vermeintliche Katastrophe schwarz auf weiß siehst. Dein Kind anschreien, ihm Vorwürfe machen oder Strafen androhen bringt gar nichts, denn wahrscheinlich ist es ohnehin schon unglücklich genug über die schlechte Benotung. Besser ist es, das Kind zu trösten. Schau genau in die Noten: Vielleicht gibt es ja neben den schlechten Zensuren in dem ein oder anderen Fach eine Verbesserung, die du loben kannst. Oder es stehen in der schriftlichen Bewertung des Klassenlehrers positive Punkte, die du hervorhebst. Wenn der erste Schreck vorbei ist, solltest du dich in Ruhe mit dem Kind hinsetzen und klären, wie es zu den schlechten Zensuren gekommen ist. Meist weiß dein Kind am besten, woran es gelegen hat.

Lösungen: Nachhilfe oder Jahr wiederholen

ein Vater gibt seinem Sohn Nachhilfe
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Wenn das Zeugnis so schlecht ausgefallen ist, dass du befürchten musst, dein Kind kann dem Stoff im neuen Schuljahr kaum noch folgen, dann solltet ihr jetzt handeln. Denkbar ist, bereits in den Sommerferien mit Nachhilfe zu beginnen. Größere Nachhilfe-Einrichtungen bieten Sommerkurse an. Eine andere Möglichkeit ist es, einen Antrag auf freiwillige Wiederholung des Schuljahres zu stellen. Das sollte aber gut überlegt werden. Auf der einen Seite besteht die Chance, Versäumtes aufzuholen und sich zu verbessern. Andererseits kann es sein, dass sich dein Kind schnell langweilt und die bisherigen Schulfreunde verliert.

In Sachsen wird eine freiwillige Wiederholung auf die Schulbesuchsdauer angerechnet. Darauf weist das Bildungsministerium hin. Ausnahmen gibt es nur für die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen. Dagegen wird in Sachsen-Anhalt wegen der Corona-Pandemie allen Kindern und Jugendlichen angeboten, das Schuljahr zu wiederholen, ohne dass dies auf die Verweildauer angerechnet wird. Auch in Thüringen ist das so. Die entsprechenden Anträge auf Wiederholung des Schuljahres müssen bis spätestens eine Woche nach Zeugnisausgabe gestellt werden.

Geld für gute Noten?

Die meisten Kinder in Deutschland werden für gute Zeugnisnoten belohnt. Das hat eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des Nachhilfe-Anbieters Studienkreis unter 1000 Eltern ergeben. Dabei sind es aber meist die Verwandten, die Geld schenken. Eltern geben eher kleine Geschenke oder planen gemeinsame Aktivitäten, wie einen Ausflug oder ein Familienessen. Experten halten Belohnungen für sinnvoll, solange sie im Rahmen bleiben. Wichtiger als am Schuljahresende die Geldbörse zu zücken ist aber, sich kontinuierlich für das Schulleben und die Leistungen des Nachwuchses zu interessieren.

Sanktionen bei schlechtem Zeugnis?

Von Strafen bei schlechten Noten raten Experten ab. Dein Kind fühlt sich wahrscheinlich ohnehin schon mies genug und weiß ganz genau, dass die Zensuren nicht toll sind. Wenn du dein Kind bestrafst oder anbrüllst, bekommt es Angst und traut sich mit dem nächsten Zeugnis vielleicht gar nicht mehr nach Hause. Und mach dir klar, dass du durch Strafen mit Sicherheit nichts an den schlechten Leistungen änderst – im Gegenteil.

Die Nummer gegen Kummer

Wenn es ganz schlecht läuft, können sowohl Kinder und Jugendliche als auch Eltern das Sorgentelefon anrufen und sich Rat holen. Das Angebot ist anonym und kostenlos.

Das Kinder- und Jugendtelefon ist immer montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr besetzt und unter der Nummer 116 111 erreichbar. Eltern wählen die 0800 111 0 550 und bekommen Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 17 Uhr, sowie Dienstag und Donnerstag von 9 bis 19 Uhr Hilfe. Außerdem gibt es eine Online-Beratung, mit Live-Chat für Kinder und Jugendliche mittwochs und donnerstags von 14 bis 18 Uhr.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 20. Juli 2021 | 11:45 Uhr

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