Reboarder: Sind die rückwärtsgerichteten Kindersitze wirklich besser?

Die Suche nach einem passenden Kindersitz kann eine sehr nervenaufreibende Sache sein. Wir haben mit dem ADAC gesprochen, warum ausgerechnet die rückwärtsgerichteteten sogenannten „Reboarder“ eine gute Wahl sind.

Lachendes Kind im Kindersitz im Auto
Bildrechte: imago images / Westend61

Der Sommerurlaub steht vor der Tür, fleißig werden Packlisten aufgestellt und ein Thema ist noch ungeklärt. Was ist eigentlich mit dem Kindersitz? Ist der eigene sicher genug für eine Langstreckenfahrt? Ist mein Kind vielleicht schon zu groß? All das klären wir mit dem ADAC auf.

Was macht Reboarder besonders?

Reboarder sind Kindersitze, in denen Kleinkinder rückwärts zur Fahrtrichtung sitzen. Katharina Lucà vom ADAC erklärt, dass dadurch vor allem Vorteile bei einem Frontalcrash mit dem Auto bestehen. Der Kopf wird bei einem Unfall durch den Sitz unterstützt und die Belastung wird auf den Rücken übertragen. Dadurch werden Kopf und Nacken weniger belastet:

Das ist wichtig, denn die Köpfe von kleinen Kindern sind im Vergleich zum Gesamtkörpergewicht sehr groß und schwer, die Nackenmuskulatur ist aber noch nicht vollständig entwickelt. Bei einem Frontalaufprall wird das Kind in den Sitz hineingedrückt, damit ist die Belastung für das Genick deutlich geringer.

Rückwärtsgerichtete Kindersitze sind nicht nur sinnvoll, sie sind für die ersten Ausflüge mit dem  Nachwuchs sogar vorgeschrieben. Nach UN ECE Reg. 44 dürfen Babys mit einem Gewicht von bis zu 9 kg nur mit dem Rücken zur Fahrtrichtung im Auto unterwegs sein. Dafür gibt es passende Babyschalen. In wenigen Produkten ist auch der Transport quer zur Fahrtrichtung zulässig. Nach der aktuellen i-Size-Norm gibt es auch eine Altersvorschrift. Bis zu einem Alter von 15 Monaten ist die rückwärtsgerichtete Transportweise Pflicht. Dabei ist aber nicht vorgeschrieben, auf welchem Platz sich der Kindersitz befindet.
Laut ADAC sind Reboarder meist für Kinder bis zum 4. Lebensjahr geeignet. Es gibt aber auch ein paar Modelle, in denen Kinder bis 7 Jahre Platz finden. Die größten Sicherheitsvorteile bringt der Reboarder für Kinder bis ca. 2 Jahre.

Was ist bei der Befestigung von Reboardern zu beachten?

Der Kindersitz ist im Falle eines Unfalls nur so sicher, wie er auch befestigt wurde. Das gilt für alle Arten von Kindersitzen. Laut Lucà vom ADAC sollten Fehler beim Einbau unbedingt vermieden werden. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Modelle und Befestigungssysteme. Manche lassen sich drehen, dadurch ist das Hineinheben des Kindes leichter, andere bestehen aus mehreren Teilen. Dabei kann der Sitz in die Basis geklickt werden, die im Auto fixiert ist. Komplizierter sind Modelle, die mit dem Gurt befestigt werden. Beim Einsetzen eines Kindersitzes auf dem Beifahrersitz ist es wichtig, den Beifahrer-Airbag abzuschalten. 

Verschiedene Reboarder-Modelle nehmen unterschiedlich viel Platz ein. Das sollte unbedingt berücksichtigt werden. Manche Kindersitze sind so groß, dass sie sehr viel Platz einnehmen und auf dem Sitz davor oder dahinter keine ordnungsgemäße Sitzposition mehr möglich ist.

Wie komme ich günstig an einen Kindersitz?

Flohmärkte und Online-Anzeigenseiten sind voll mit gebrauchten Kindersitzen. Dabei rät der ADAC davon ab, einfach blind einen Kindersitz auf einem Online-Portal zu kaufen. Der Grund ist die Vorgeschichte, so Lucà vom ADAC. Wenn die unbekannt ist, kann das zu einem Sicherheitsrisiko werden:

Auf keinen Fall sollte man einen Kindersitz verwenden, der in einen Unfall verwickelt war: Es könnten sich feine Haarrisse gebildet haben, die für das bloße Auge kaum sichtbar sind. Deshalb: Vorgeschichte des gebrauchten Sitzes genau erfragen.

Wer einen gebrauchten Sitz kaufen möchte, fragt deshalb am besten im Freundes- oder Familienkreis nach. Neben sichtbaren Beschädigungen sollte auch auf die Vollständigkeit des Sitzes geachtet werden. Zur Checkliste gehören dabei Einlegekissen und Gurtpolster. Wenn auch noch alle Teile funktionieren und die Bedienungsanleitung parat ist, steht auch dem Einsatz eines gebrauchten Sitzes nichts im Wege. Und wer noch noch nicht weiß, wohin es im Urlaub gehen soll, für den haben wir hier noch ein paar Tipps zusammengefasst.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. Juli 2020 | 10:45 Uhr

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