Schufa will Kontoauszüge auswerten

Ein neuer Mobilfunkvertrag oder ein Kredit für eine neue Küche – in diesen und anderen Fällen kommt oft die Schufa ins Spiel und gibt Informationen über Kreditwürdigkeit und Zahlungsmoral von Verbrauchern. Jetzt will die Auskunftei offenbar auch Kontoauszüge durchleuchten.

Ein negativer Kontostand ist auf einem Kontoauszug mit einem Markierungsstift orange gekennzeichnet (gestelltes Foto).
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Verbraucher sollen in Zukunft auch anhand ihrer Kontoauszüge bewertet werden, ob sie zahlungsfähig sind oder nicht. Das haben Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ergeben. Demnach läuft bereits ein erster Praxistest der Schufa mit dem Telefonanbieter Telefonica/O2.

Schufa-Score durch Kontoauszüge verbessern?

"Schufa Check now" heißt der Service. Er suggeriert Verbrauchern, die durch das bisherige Schufa-Bewertungs-Verfahren als kreditunwürdig galten, die Möglichkeit, eventuell doch beispielsweise einen Telefonvertrag abschließen zu können. Dafür müssten diese Verbraucher der Schufa einen Blick auf ihre Kontoauszüge gewähren. Aus diesen Informationen ermittle die Schufa dann eine neue Bewertung.

Freiwillige Einwilligung mit Folgen

Doch die Sache hat im wahrsten Sinn einen Haken: Die Schufa erbittet von potenziellen "Check now"-Kunden die freiwillige Einwilligung, auf das Konto zugreifen zu dürfen. Wird der Button angeklickt, darf die Schufa die Konto-Daten nicht nur ansehen, sondern auch auswerten und verarbeiten. Die Schufa hätte dann beispielsweise Informationen über Gehalt, staatliche Leistungen, alltägliche Ausgaben und auch ob jemand etwa bei Glücksspielen mitmacht. Den Recherchen von NDR, WDR und SZ zufolge hätten erste Tests der Schufa mit "Check now" ergeben, dass sich viele Verbraucher die Bestimmungen gar nicht genau durchlesen, sondern oft einfach das Häkchen setzten.

Datenschützer entsetzt über "Check now"

Der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat große Bedenken gegen die Schufa-Pläne und fürchtet Nachteile für Verbraucher:

Ich mache mich da wirklich nackig, wenn ich diesen Einwilligungsbutton bestätige.

Schaar befürchtet zudem, dass die Schufa so an Daten Dritter gelangen könne, die auf den Kontoauszügen auftauchen.

Schufa wendet sich an unternehmensfreundliche Datenschützer

Mit einem Kniff versucht die Schufa nun offenbar, sich für das umstrittene Geschäftsmodell den Segen von Datenschützern zu holen. Nachdem sich die bayrische Datenschutzbehörde kritisch zeigte, wurde die Auskunftei nach Recherchen von NDR, WDR und SZ nun in Hessen vorstellig, wo die Aufsichtsbehörde nach Aussagen von Datenschutzexperten notorisch "Schufa-freundlich" sei. Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband, bezeichnet das Vorgehen der Schufa als "überaus dreist".

Schufa ist die Kurzbezeichnung für Vereinigung der deutschen Schutzgemeinschaften für allgemeine Kreditsicherung. Die Aktiengesellschaft mit Sitz in Wiesbaden verfügt über Daten von fast allen Deutschen über 18 Jahren. Gesammelt wurden bislang nach eigenen Angaben 864 Millionen Datensätze von 67,5 Millionen Personen und 5,3 Millionen Unternehmen. Diese Daten gibt die Schufa auf Wunsch an ihre rund 10.000 Vertragspartner weiter (Banken, Mobilfunkanbieter oder auch Versicherungen).

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Nachrichten | 12. Januar 2021 | 06:00 Uhr

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