Halbjahreszeugnisse und Corona - Sitzenbleiben oder nicht?

Seit Monaten sind die Schulen geschlossen, Unterricht findet digital auf Sparflamme statt und die Benotung gestaltet sich schwierig. Was wird in den Zeugnissen stehen und wer bleibt sitzen?

Ein Mädchen sitzt vor ihren Hausaufgaben.
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Anfang Februar steht in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eigentlich die Vergabe der Halbjahreszeugnisse an. Normalerweise ein heißerwarteter (oder gefürchteter) Tag für Schüler und Eltern. Dieses Jahr ist aber alles anders.

Sachsen: Lehrer sollen wohlwollend sein

In Sachsen sollen Schüler ihre Zeugnisse wie geplant bekommen, am 10. Februar. Auch hier soll die Möglichkeit bestehen, die Zeugnisse abzuholen. Genaue Modalitäten würden die jeweiligen Schulen bekannt geben, sagte eine Sprecherin des sächsischen Kultusministeriums. Benotet würden alle Fächer, in denen Noten erhoben wurden. Nur, wenn Noten komplett fehlen, würde das auf dem Zeugnis vermerkt.

Von der Forderung der GEW-Bundesvorsitzend Marlies Tepe, dass das Sitzenbleiben dieses Schuljahr ausgesetzt wird, hält man im sächsischen Kultusministerium wenig. Pauschal alle Schüler in die nächste Klasse zu schicken, werde den einzelnen Bildungsbiographien nicht gerecht, sagte Kultusminister Christian Piwarz. Allerdings sollten Lehrer ihre Ermessensspielräume wohlwollend auslegen und im Zweifel zugunsten der Schüler entscheiden.

Sachsen-Anhalt: Auf jeden Fall Zeugnisse

Zeugnisse soll es auf jeden Fall geben, betonte auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Marco Tullner. Wer Präsenzunterricht habe, bekomme sein Zeugnis auf jeden Fall am 5. Februar ausgehändigt. Wer ein Zeugnis zur Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz brauche, könne es in seiner Schule abholen.

Laut Tullner gab es die Überlegung, in diesem Jahr wegen der Corona-Lage auf Halbjahreszeugnisse zu verzichten. Nach Hinweisen, dass sie gebraucht würden, um sich unter anderem für Ausbildungsplätze zu bewerben, wurde entschieden, für alle Jahrgänge daran festzuhalten.

Dabei sollten die Lehrer laut dem Minister alle Fächer bewerten, in denen genügend Noten vergeben wurden. Wo es noch Lücken gebe, könnten auch im Distanzlernen Leistungen benotet werden. Außerdem sei es möglich, Fächer mangels Noten mit dem Hinweis auf die Corona-Lage nicht zu bewerten. Die Schulleiter seien mit einem Brief entsprechend informiert worden.

Beim Thema Sitzenbleiben will Sachsen-Anhalt ähnlich verfahren wie im Vorjahr: Den Lehrern sollen große Spielräume eingeräumt werden. Prinzipiell soll Sitzenbleiben aber weiter möglich sein.

Thüringen: Schweigen

Nach aktuellem Stand soll es auch in Thüringen am 5. Februar Halbjahreszeugnisse geben.

Um das Thema Sitzenbleiben ist in Thüringen unterdessen eine heftige Debatte entbrannt. In einer Sitzung des Bildungsausschusses am Freitag wird eine neue Verordnung vorgestellt, nach der Kinder der Klassen vier, sechs und acht nicht mehr sitzenbleiben können und automatisch versetzt werden. Für die Klassen fünf und sieben gilt diese Regel bereits. Die Opposition kritisiert die Pläne scharf.

Eine MDR JUMP-Anfrage an das Bildungsministerium zu den genaueren Details blieb bisher unbeantwortet.

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 22. Januar 2021 | 19:20 Uhr

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