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Umweltfreundlicher Schutz Sonnencreme, die dem Meer nicht mehr schadet

Langes Wochenende - Sonne satt: Wer viel draußen unterwegs ist, an einen See oder ans Meer zum Baden fährt, sollte an Sonnencreme denken, raten Hautärzte. Doch was die Haut schützt, ist für die Natur ein Problem: Ein großer Teil des Sonnenschutzes geht nämlich ins Wasser! Dort schadet die Sonnencreme den Lebewesen so sehr, dass das ganze Ökosystem in Gefahr ist. US-Forscher von der Universität Florida haben offenbar eine umweltfreundliche Alternative entdeckt.

Ein kleiner Junge trägt sich selbst Sonnencreme auf
Bildrechte: IMAGO

Die Sonne strahlt, es ist heiß und wir wollen an den Strand! Aber vorher heißt es: Eincremen! Klar, denn wenn wir uns nicht ordentlich mit Sonnenschutz eincremen, könnten wir Hautkrebs bekommen. Deshalb wird empfohlen den Sonnenschutz alle paar Stunden aufzufrischen, vor allem nachdem wir im Wasser waren. Die Chemikalien in der Lotion filtern die UV-Strahlen aus dem Sonnenlicht. Doch genau die sind ein Problem, erklärt Yousong Ding vom Institut für Medizinische Chemie an der Universität von Florida:

Dadurch, dass die Menschen sich mit Sonnencreme eincremen, tragen sie bis zu 14.000 Tonnen davon in die Ozeane und zwar jedes Jahr. Das Problem dabei ist, dass Sonnencreme sehr giftig für Meeresfische, Korallenriffe und einige andere Meereslebewesen ist.

Yousong Ding

Die Forscher haben deshalb nach einer Alternative gesucht, die besser für die Umwelt und unsere Haut ist. Fündig geworden sind sie ausgerechnet im Meer: Rotalgen enthalten nämlich sogenannte Cyanobakterien, die eine Aminosäure namens Shinorin produzieren. Chemiker Ding erklärt:

Die Aminosäure Shinorin wird von der Alge als UV-Schutz produziert, der die UV-Strahlung absorbiert und in Wärme umwandelt. So wird die schädliche Wirkung der UV-Strahlen abgewehrt.

Yousong Ding

Dieser Wirkstoff wird bereits aus den Rotalgen gewonnen. Doch das ist sehr aufwendig, erklären die Forscher: Die Alge braucht Jahre, um zu wachsen und noch viel mehr Zeit, bis sie die Aminosäure Shinorin produziert. Yousong Ding und sein Team wollten diesen Prozess im Labor beschleunigen, sagt der Forscher:

Wir haben einen schneller wachsenden Cyanobakterienstamm mit Shinorin entwickelt, also eine Reihe von Genen für die Produktion von Shinorin, und innerhalb von nur 13 Tagen war unser Stamm schon bei drei Viertel der Produktivität von Rotalgen. Die brauchen Jahre um dieses Niveau zu erreichen.

Yousong Ding

Die Chemiker haben also winzige Shinorin-Kraftwerke entwickelt. Die synthetisch hergestellte Aminosäure scheint ihrem natürlichen Vorbild in Nichts nachzustehen: Tests bestätigten den Forschern, dass sie Zellen vor UV-Strahlen schützen kann. Jetzt müssen sie den Stoff nur noch in größeren Mengen herstellen, erklärt Yousong Ding, damit diese Methode kommerziell nutzbar wird. So lange müssen wir auf diese natürliche Alternative zur herkömmlichen Sonnencreme womöglich gar nicht warten: Die Aminosäure ist nämlich nicht neu. Sie wird unter anderem auf dem Kosmetikmarkt genutzt, sie filtert nicht nur UV-Strahlung, sondern sorgt auch für glänzendes und geschmeidiges Haar und wird bereits in Antifaltencremes verwendet.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL | Radio | 29. April 2018 | 16:50 Uhr

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