Nationalpark Harz Waldwandel
Bildrechte: Nationalpark Harz

Tote Bäume: Stirbt der Nationalpark Harz?

zuletzt aktualisiert: 08.08.2019 | 14:58 Uhr

Wanderer, die den Brocken erklimmen, haben sich in den letzten Wochen oft erschrocken: Überall sind tote Bäume im Harz zu sehen. Ist das ein Ergebnis des Klimawandels oder woran liegt das Baumsterben? Wir haben nachgeforscht!

Nationalpark Harz Waldwandel
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Im Nationalpark Harz sieht es an einigen Stellen traurig aus: Anstatt durch grünen, kräftigen Wald laufen Wanderer zwischen abgestorbenen Bäumen - und sind über den Zustand des Waldes erschrocken:

Ist der Klimawandel schuld?

Der Klimawandel sei ein Teil der Ursache der toten Bäume, erklärt Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz:

Der Klimawandel ist voll da. Das sehen wir auch an diesen Bildern. Aber: Tot sind diese Flächen nicht. Hier stirbt nicht der Wald als solches.

In der Kernzone des Nationalparks Harz repariert sich der Wald selbst, erklärt Friedhart Knolle. Einige Jahre nach Schädigung regenerierten sich die Bäume und neue Generationen wüchsen heran.

Nationalpark Harz Waldwandel
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Aber der Hitzesommer 2018 hat Spuren an den Bäumen hinterlassen und die Dürre die Bäume geschwächt. Die jetzige Hitze tut ihr Übriges. Eigentlich brauchen Fichten viel Kälte und wachsen vor allem in höheren Lagen Da kommt der Klimawandel ins Spiel: Die kalten, schneereichen Winter hat der Klimawandel den Fichten genommen, erklärt Friedhart Knolle.

Die Natur und Ökologie reagiert jetzt eigentlich nur und passt sich an die neuen Klimabedingungen an.

Bäume reagieren auf Schadstoffe

Doch nicht der Klimawandel allein sei Ursache des Baumsterbens. Auch der gestiegene Schadstoff-Gehalt in der Luft habe dazu beigetragen.

Das sind im Moment vor allem Schadstoffe aus dem Verkehr. Die Stickoxide, Stichwort NOx, sind in aller Munde. Das heißt, der Stress der auf den Fichten liegt, ist ein Schadstoff-Stress. Und der ist jetzt massiv verstärkt durch die globale Erwärmung.

Auf diese Problem aufmerksam zu machen, sieht der Nationalpark Harz auch als seine Aufgabe an. Friedhart Knolle findet es erschreckend, dass er solche Bilder auch aus Kanada, Russland und anderen Teilen Europas sieht.

Das ist ein globaler Klimawandel. Der muss uns richtig Sorgen machen. Der Nationalpark ist quasi nur ein Schaufenster, in dem man sieht, wie es dem Wald wirklich geht.

Borkenkäfer werden für Fichten zum Problem

Nationalpark Harz Waldwandel
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Das Fichten-Sterben findet sich aber nicht nur in Monokulturen-Wäldern. Auch in Mischwäldern sterben die Fichten ab. Dazu kommt der Achtzähnige Fichten-Borkenkäfer, der bevorzugt kranke und geschwächte Fichten angreift, erklärt Friedhart Knolle. Diese alten Fichten, die über 60 Jahre alt sind, sind geschwächt durch Schadstoffe und Klimawandel - und können sich nicht gegen den Käfer wehren. Jüngere Fichten sondern Harz ab, um den Borkenkäfer zu vertreiben.

In Zukunft wird der Wald anders aussehen

Das Fichtensterben hat also komplexe und vielfältige Ursachen: Der Dürresommer durch den Klimawandel, Schadstoffe und Schädlinge tragen zum Sterben der Fichten bei, weiß Friedhart Knolle:

Diese Faktoren haben sozusagen die Fichte vorgestresst und jetzt bekommt sie quasi den letzten Kick.

Aber die Regeneration der Bäume im Harz funktioniert noch, deshalb ist Friedhart Knolle trotz allem zuversichtlich:

Der Wald wird nicht sterben. Wir müssen uns Sorgen machen um die Forstwirtschaft. Der Wald als solcher wird im Nationalpark überleben, aber er wird anders aussehen als die Meisten sich das heute vorstellen. Der Wald ändert massiv sein Gesicht.

Können wir den Wald noch retten?

Die Lage ist ernst. Deshalb hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Programm zur Wiederaufforstung angekündigt. Die Beseitigung des Klimawandels steht für Friedhart Knolle aber im Vordergrund:

Man muss an den Wurzeln des Problems arbeiten: Das bedeutet ein Kampf gegen den Klimawandel. Wenn wir weiter so CO2 emittieren wie jetzt, dürfen wir uns nicht wundern, wenn Kohlendioxid weltweit riesige Probleme macht. Außerdem müssen wir in eine vielfältige Forstwirtschaft mit Mischbeständen einsteigen. Denn die sind stabiler gegenüber dem Klimawandel. Der Wald zeigt uns, wie es um die Umweltsituation steht.

Aber auch der einzelne kann etwas für die Rettung des Waldes tun, weiß Friedhart Knolle:

Es gibt weltweit viele Millionen von Emissionsquellen: Landwirtschaft, industrielle Quellen, der Autoverkehr. Jeder ist irgendwo beteiligt. Wenn jeder irgendwo ein wenig daran tut, das zu bekämpfen, dann können wir in Deutschland und in Europa relativ viel bewegen.

Dass die Rettung des Waldes nicht von jetzt auf gleich klappt ist Friedhart Knolle bewusst:

Wir haben Mammut-Aufgaben vor uns: Das Problem hat sich in Jahrzehnten entwickelt und seitdem wissen wir, dass der Klimawandel unsere Ökosysteme verändert. Wir werden Jahrzehnte lang an einer Lösung arbeiten müssen. Aber wenn wir jetzt nicht anfangen, ist es irgendwann zu spät.

Auch andere mitteldeutsche Wälder betroffen

Bäume sterben aber nicht nur im Harz. Auch im Nationalpark Hainich steht es schlecht um die Bäume. Dort gibt es geführte Wanderungen, die das Sterben von Buchen erklären.

Regeneration der Bäume im Nationalpark Harz

Waldsterben im Nationalpark Harz
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Waldsterben im Nationalpark Harz
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Waldsterben im Nationalpark Harz
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Friedhart Knolle, Presssprecher vom Nationalpark Harz
Bildrechte: Olaf Eggert

Dr. Friedhart Knolle hat Geologie an der TU Clausthal studiert und arbeitet für den Nationalpark Harz.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 07. August 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2019, 14:56 Uhr

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