Urteil der Woche: Wer bekommt bei einer Scheidung den Familienhund?

03.05.2019 | 15:50 Uhr

Rund 34 Millionen Haustiere leben in Deutschland. Zerbricht eine Familie stellt sich die Frage, wer bekommt das liebe Tierchen. Darüber haben jetzt Richter entschieden.

Alter Hund liegt auf dem Boden
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Bis hinauf zum Oberlandesgericht Stuttgart wurde der Streit eines geschiedenen Ehepaars um eine Labrador-Hündin getragen. Die Hündin hatte das Paar kurz vor der Hochzeit gekauft. Von da an hatte sich die Frau um das Tier wie um ein Kind gekümmert, hieß es. Trotzdem wollte der Mann das Tier nach der Trennung zu sich nehmen. MDR JUMP-Rechtsexperte Thomas Kinschewski:

Das Oberlandesgericht hat sich den Fall ganz genau angeschaut und entschieden. Die Frau konnte bis zum Schluss nicht beweisen, dass sie Eigentümerin des Hundes ist.

Bedeutet: Die Richter sprachen das Tier dem Mann zu und erklärten, dass die Frau keinen Anspruch auf Umgang mit dem Hund habe. Denn aus einem Vertrag mit dem Tierhilfeverein gehe der Mann als alleiniger Eigentümer hervor.

Wer sein Hündchen liebt, achtet darauf, dass er im Kaufvertrag steht, den man immer schriftlich machen sollte. Schon allein, falls es dem Tierchen mal gesundheitlich schlecht gehen sollte. Und mit dem Original des Kaufvertrages habe ich auch keine Probleme, mein Eigentum zu beweisen.

Bereits im April vergangenen Jahres hatte das Familiengericht dem Mann ein Umgangsrecht mit dem bei der Frau lebenden Hund zugesprochen. Die Frau hatte dem jedoch mit dem Argument widersprochen, der Hund fühle sich zwischen den Bezugspersonen hin- und hergerissen. Ein vom Gericht zu Rate gezogener Tierpsychologe konnte jedoch keine seelischen Schäden bei dem Hund entdecken.

Es ist nicht zu fassen, weshalb sich Haustierbesitzer streiten. Da hat man sich gegenseitig mal auf Unterhalt für einen Hund verklagt - grober juristischer Unfug, sagt das Gericht dazu. Oder: Eine Frau wollte regelmäßig Umgang wie mit dem eigenen Kind, nur hier eben mit dem Hund. Diese Klage ist auch abgewiesen worden.

Es bleibe dabei, meint Anwalt Kinschewski, Tiere seien rechtlich gesehen Sachen. "Und damit gehören sie juristisch gesehen entweder in das Alleineigentum desjenigen der das Tier gekauft hat. Oder aber sie zählen in den Hausrat und damit sind sie, wie Schrank oder Bett, einem Ehegatten durch Beschluss zuzusprechen."

So etwas ähnliches hat Ende der 1990er Jahre bereits ein Richter in Bad Mergentheim praktiziert. Pudel "Waldi" durfte im Gerichtssaal selbst entscheiden: Im Scheidungsstreit zwischen Herrchen und Frauchen verließ sich ein Amtsrichter auf den Instinkt des zehnjährigen Hundes.

Bei der Entscheidung über das Umgangsrecht für sein Herrchen ließ der Jurist Waldi kurzer Hand von der Leine. Das Tier sprang zielstrebig auf den Mann zu und "ließ sich von diesem auf den Schoß nehmen und leckte das Gesicht des Mannes mehrfach ab", heißt es in dem Urteil (1 F 143/95 AG Bad Mergentheim). Damit war für den Richter der Fall klar: Herr und Hund dürfen nun wieder zweimal im Monat gemeinsam spazieren gehen.

Aktenzeichen: 18 UF 57/19

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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Unser Experte Fast täglich werden im Gerichtssaal wichtige Urteile gesprochen, die Einfluss auf unser Leben haben können. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski stellt jede Woche das Interessanteste in Kurzform bei MDR JUMP am Wochenende vor.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 04. Mai 2019 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2019, 15:50 Uhr

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