1&1 plant viertes Mobilfunknetz - Was bedeutet das?

Deutschland bekommt ein neues 5G-Mobilfunknetz. Doch was bringt das für Kunden? Das hängt auch davon ab, wo ihr wohnt.

Frau liegt mit Handy auf einem Bett
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Bis zu hundert Mal schneller als aktueller Mobilfunk, keine Signalverzögerungen – der neue 5G-Standard soll autonomes Fahren ermöglichen und in zukunftsfähigen Fabriken zum Einsatz kommen, in denen die Maschinen untereinander in Kontakt stehen. Auch für Privatanwender sind die hohen Datenraten interessant – weil Downloads noch schneller werden.

Bisher bauen drei Konzerne ihr 5G-Netz nach und nach auf: die Telekom, Vodafone und Telefónica (O2). Wirklich schnell sind die neuen Netze vorerst fast nur in Ballungsgebieten. Nun soll schon bald ein viertes landesweites 5G-Netz dazukommen – doch auch in diesem Fall werden wohl zunächst Städter davon profitieren können. Aber davon gleich mehr.

Der Mobilfunkanbieter 1&1 Drillisch in Maintal
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Betrieben wird das neue Netz vom Unternehmen 1&1 Drillisch. Das Unternehmen hatte die Frequenzrechte schon im Sommer 2019 ersteigert. Das Problem: Bisher hatte die Firma über die Marken wie 1&1, simply, yourfone oder Smartmobil zwar schon mehrere Millionen Kunden aber eben noch kein eigenes Mobilfunknetz. Dafür holt sie sich Unterstützung von einem Konkurrenten, nämlich von Telefónica.

Warum? Nun, das hat für beide Seiten Vorteile: „Durch die Mitnutzung des Telefónica-Netzes werden unsere Kunden schon während der Aufbauphase unseres 5G-Netzes eine flächendeckende Mobilfunkversorgung erhalten“, so Ralph Dommermuth, Chef von 1&1 Drillisch. Und bei Telefónica Deutschland freut sich Firmenchef Markus Haas über „langfristige Planungssicherheit“ und „signifikante Umsatz- und Ergebnisbeiträge“.

Verpflichtung zum schnellen Netzaufbau

Tatsächlich sind beide Firmen ein ganzes Stück weit aufeinander angewiesen. 1&1 Drillisch kann ein landesweites Netz nicht wirklich ganz alleine hochziehen, zumal das Unternehmen dabei zeitlich auch noch ziemlich unter Druck steht. Denn man muss, so steht es in den Ausbauverpflichtungen der Bundesnetzagentur, bis Ende 2023 mindestens 25 Prozent der Haushalte in Deutschland Netz versorgen. Bis Ende 2025 müssen es sogar 50 Prozent sein. Dazu müssen mindestens 1.000 5G-Basistatationen errichtet werden. Also ist es gut, wenn man für den Rest des Geschäfts einen Partner hat. Und Telefónica hat zwar ein Netz, muss es aber auch gewinnbringend auslasten – und kann sich nun über sichere Einnahmen freuen.

Was bedeutet das vierte Netz nun aber für Kunden? In der Theorie würde man sagen: Ein weiteres Netz bringt mehr Konkurrenz und Wettbewerb. Und das könnte zu einem besseren Angebot und/oder weniger Kosten führen. In der Praxis könnte die Sache etwas komplizierter sein und der Effekt entscheidend davon abhängen, wo Ihr wohnt.

Aufbau wohl zunächst nur in Großstädten

Das Ganze hat mit den Funkfrequenzen zu tun, die 1&1 Drillisch für die Aufbauphase zur Verfügung stehen. Neben „klassischen“ 5G-Frequenzen im Bereich von 3,5 GHz kann die Firma bis Ende 2025 auch solche im Bereich von 2,6 GHz nutzen. Diese Frequenzen haben aber nur eine vergleichsweise kurze Reichweite, die Sendeanlagen dürfen nur einige hundert Meter Abstand haben, wenn die Signale auch noch im Innenraum von Gebäuden zu empfangen sein sollen. Und das heißt: Bis Ende 2025 dürfte 1&1 sein neues 5G-Netz vor allem in Großstädten aufspannen. Hier würde sich der Wettbewerb tatsächlich erhöhen.

Doch erst ab 2026 sollen dann weitere Frequenzen im Bereich von 2,1 GHz dazukommen – die werden frei, weil das UMTS-Netz abgeschaltet wird – und ein Netzausbau auch in ländlichen Gebieten möglich wird. Nur damit es keine Missverständnisse gibt: Auch auf dem Land werdet Ihr bis dahin mit 1&1 Drillisch Empfang haben. Dafür gibt es die Partnerschaft mit Telefónica. Doch genutzt werden können dann nur LTE und der uralte Standard GSM – und eben kein 5G.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 27. Februar 2021 | 11:40 Uhr

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