Warum wir Fluorid brauchen und wann es schädlich ist

Zuletzt aktualisiert: 18.01.2020 | 11:12 Uhr

Für saubere und gesunde Zähne müssen wir regelmäßig Zähne putzen. Das erzählt der Kinderbuch-Klassiker "Karius und Baktus" schon den Kleinsten. Und das geht nicht ohne Zahnpasta. Die soll die Zähne besonders gut reinigen und den Zahnschmelz widerstandsfähig machen. Allerdings enthält sie auch Fluorid. Und das soll schädlich sein: Es soll Babys schon im Mutterleib dümmer machen oder würde uns vergiften. Dabei brauchen wir Fluorid sogar. Und wie bei vielem macht die Dosis das Gift.

Kind beim Zähne putzen.
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Schlechte Noten für Marken-Zahnpasta
Fluoridhaltige Zahnpasta beugt Karies vor. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Fluorid wird seit Jahrzehnten in der Zahnmedizin verwendet, um Karies vorzubeugen. aber wie wirkt es? Fluoride helfen dabei, Löcher im Zahnschmelz, die durch Säure im Mund entstanden sind, wieder aufzufüllen. Außerdem bilden sie eine Art Schutzfilm auf den Zähnen, damit die gar nicht erst angegriffen werden können. Dabei ist es wichtig, Fluorid frühzeitig im Zahn anzulegen. Die Zähne enthalten nicht von Natur aus genug davon. Schon kleine Kinder können, bevor der erste Zahn durchbricht, Fluoride aus der Nahrung oder aus Tabletten aufnehmen, die später den Zahnschmelz stärken. Vor der Geburt stärken Fluortabletten allerdings nur die Zähne der Mutter.

Da Fluorid wichtig für Kariesprophylaxe ist, fallen Zahnpasten ohne Fluorid bei der Stiftung Warentest grundsätzlich durch. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht Karies bei den chronischen Erkrankungen sogar an vierter Stelle weltweit.

Wo ist Fluorid enthalten?

Die nötigen Fluor-Verbindungen können wir nicht nur über fluoridhaltige Zahncreme aufnehmen, sondern auch über die Nahrung. Sie sind zum Beispiel im Trinkwasser enthalten. Regionen, mit höheren Fluoridmengen im Trinkwasser, haben eine deutlich niedrigere Kariesrate als Regionen mit niedrigeren Konzentrationen. Einige Länder wie die Schweiz oder Großbritannien reichern deshalb Wasser mit Fluorid an. Darüber wurde auch in Deutschland nachgedacht. Weil dem Trinkwasser hier aber keine Stoffe zugesetzt werden sollen, wurde die Idee wieder verworfen. Aber auch viele Lebensmittel wie Soja oder Fisch enthalten Fluorsalze. Speisesalz wird ebenfalls häufig fluoridiert.

Wann ist Fluorid schädlich?

Zahnärztin Juliane Hertwig, Porträt
Zahnärztin Juliane Hertwig Bildrechte: Juliane Hertwig

"Die Dosis macht das Gift", hat der Schweizer Arzt Paracelsus vor über 500 Jahren gesagt. Und das trifft auch auf Fluoride zu. Während Fluor tatsächlich giftig ist, müssten wir seine Salze in großen Mengen zu uns nehmen, um uns zu vergiften. Das belegen zahlreiche Studien.

Das Gremium für Ernährung, neuartige Lebensmittel und Lebensmittelallergene (NDA) empfiehlt

eine angemessene Zufuhr von 0,05 mg/kg Körpergewicht pro Tag für Kinder im Alter von 7 Monaten bis 17 Jahren sowie für Erwachsene, einschließlich schwangere und stillende Frauen.

Dabei ist es egal, ob wir die Fluoride über die Nahrung aufnehmen oder über fluoridierte Zahnpasta.

Kindergartenkinder beim Zähneputzen
Schon Babys und Kleinkinder sollten Fluorid aufnehmen. Bildrechte: imago images / Westend61

Bei Babys und Kleinkindern sind sich Kinder- und Zahnärzte allerdings noch uneinig, ob es gesünder ist, die nötigen Stoffe über fluoridhaltige Kinderzahnpasta aufzunehmen oder als Tablette. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, nur eines der Mittel anzuwenden: Wer die ersten Zähnchen vom Kind mit Zahncreme, in der die Salze enthalten sind, pflegt, sollte nicht zusätzlich Fluoridtabletten geben.

Die richtige Pflege

Beim Zähneputzen empfiehlt die Zahnärztin im MDR JUMP-Interview:

Ab dem ersten Zahn zweimal täglich mit entsprechender Kinderzahnpasta die Zähne putzen. Und die Menge soll da noch Reiskorn groß sein. Ab dem zweiten Geburtstag sollen die Zähnchen mit einer erbsengroßen Menge geputzt werden.

Diese Menge sei auch nicht gefährlich, wenn die Kinder sie verschlucken.

Damit Fluorsalze wirklich gefährlich werden, müssen wir also eine große Menge Fluorid aufnehmen. Zahnärztin Juliane Hertwig erklärt, wie viel:

Ein etwa sechsjähriges Kind, das ein Gewicht von 20 Kilogramm hat, müsste eine ganze Tube Erwachsenenzahnpasta schlucken, um Symptome von einer Vergiftung zu zeigen.

Das hieße Übelkeit, Bauchschmerzen und Unwohlsein. Eine tödliche Dosis wären zwölf Tuben.

Das sehe ich persönlich nicht als möglich an.

Dennoch kann es passieren, dass Kinder über Nahrung und Zahnpasta zu viel Fluorid aufnehmen. Weiße Flecken oder feine Linien auf den Zähnen deuten auf eine leichte Überdosierung an, sind aber völlig harmlos.

Fluorid oder Fluor?

Wahrscheinlich wird Flourid häufig mit Fluor verwechselt und hat deshalb fälschlicherweise einen schlechten Ruf. Fluorid ist eine Fluor-Verbindung, also ein Salz des Fluors. Das heißt, dass Fluor, ein natürliches aber giftiges Gas, sich mit einem anderen chemischen Element verbindet. Das passiert sogar so schnell, dass das Gas alleine in der freien Natur gar nicht vorkommt. Natrium-Flourid ist demnach eine feste Verbindung zwischen Natrium und Fluor.

In Zahnpasta sind am häufigsten Natriummonofluorphosphat, Aminfluorid und Zinnfluorid enthalten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 19. Januar 2020 | 08:10 Uhr

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