Vitamine und Mineralien: Sind zu viele ungesund?

Viel hilft viel? Ja, nee. Viele von uns schlucken Nahrungsergänzungsmittel - in der Hoffnung, unserem Körper damit etwas Gutes zu tun. Doch heraus kommt oft das Gegenteil.

Ein Apfel und eine Tablettenpackung auf einem Teller
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Sie stehen zu Dutzenden in jedem Drogeriemarkt bei uns in der Region und locken uns mit langen Listen von Inhaltsstoffen, unserem Körper etwas Gutes zu tun: Vitamin- und Mineralstoffpräparate diverser Hersteller und Preisklassen. Und gerade in Corona-Zeiten kann ein bisschen Hilfe fürs Immunsystem doch nur gut sein, oder?

Wenn es doch nur so einfach wäre! Einerseits greift etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln, von denen viele eben Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Andererseits zeigen Daten über die Nährstoffzufuhr, dass das bei uns hier eigentlich gar nicht nötig ist. Es reicht nämlich völlig, sich ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren, um den gesunden Körper ausreichend mit lebensnotwendigen Stoffen zu versorgen. Nur einige wenige Vitamine und Mineralstoffe werden nicht entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung mit der normalen Nahrung aufgenommen - und das auch nur in manchen Bevölkerungsgruppen.

Viel hilft eben nicht immer viel

„Viel hilft viel – das ist auch bei Vitaminen und Mineralstoffen ein Trugschluss“, sagt Andreas Hensel, Chef des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „Die Dosis entscheidet, ob sie unserer Gesundheit nützen oder schaden“. Einen konkreten Mangel gibt es bei manchen Menschen tatsächlich bei Vitamin D, Calcium, Folsäure und Jod.

Doch die Präparate enthalten oft einen ganzen Blumenstrauß an Vitaminen und Mineralstoffen. Wer aber zum Beispiel als Diabetiker zu viel Vitamin B aufnimmt, riskiert Nierenschäden. Und zu viel Kalzium könnte womöglich die Verkalkung der Blutgefäße fördern - und damit die Gefahr eines Herzinfarkts erhöhen. Will sagen: Wer genug Salat, Gemüse und Milchprodukte konsumiert, der braucht kein extra Kalzium. Dasselbe gilt für andere Mineralien und Spurenelemente: Für die empfohlene Menge an Vitamin K reicht eine Portion Brokkoli, bei Selen eine einzige Paranuss und für Vitamin C eine Orange am Tag.

Zu viel Vitamin E oder Selen – und das Krebsrisiko kann steigen. Antioxidantien wie Vitamin C und nochmal Vitamin E wiederum könnten Sport weniger effektiv machen. Und die jahrelange hochdosierte Einnahme von Vitamin B6 könnte das Lungenkrebsrisiko bei Männern erhöhen. Bei Vitamin B12 ist zu sagen, dass es für alle Zellen ein wichtiger Wachstumsfaktor ist - und dass das eben auch für Krebszellen gilt. Das Vitamin löst dabei nicht direkt Krebs aus. Es kann aber gegebenenfalls die Entwicklung von Krebsvorstufen im Körper begünstigen.

Test beim Hausarzt machen lassen

Hausarzt Sprechzimmer
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Regelmäßig zu viel Vitamin A ist schlecht für die Knochen und kann das Risiko für Lungenkrebs bei Rauchern erhöhen. Lange Zeit zu viel Vitamin D kann Gefäße verstopfen und Nieren schädigen – und so weiter. Deswegen ist es sinnvoll, wenn man befürchtet, einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel zu haben, erst einmal einen Test beim Hausarzt machen zu lassen. Da kann man zum Beispiel sehen, ob womöglich wirklich Eisen oder Vitamin B12 fehlen.

Bei manchen Leuten kann das durchaus der Fall sein. Das kann mit dem Alter zu tun haben oder mit Medikamenten, die man sonst noch so einnehmen muss. Auch wer sich vegan ernährt, muss darauf achten, alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge über die verzehrten Lebensmittel zu sich zu nehmen. Das betrifft zum Beispiel Eisen.

Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sollten Folsäure zu sich nehmen, um Missbildungen beim ungeborenen Kind zu verhindern. Für andere ist das im Gegensatz dazu keine gute Idee: Wer schon Krebsvorstufen im Darm hat, bei dem kann viel Folsäure das Wachstum von Tumoren ankurbeln.

Überhaupt: Wer bereits an einer Tumorerkrankung leidet, sollte ohne Rücksprache mit den behandelnden Ärzten keine Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Denn manche der Inhaltsstoffe können zu unerwünschten Wechselwirkungen mit der Krebstherapie führen, warnt das Deutsche Krebsforschungszentrum.

Und was ist mit Vitamin D?

Davon hat man ja vielleicht auch im Zusammenhang mit Corona mal gehört. Die Substanz wird in unserem Körper gebildet, wenn wir mit Sonnenlicht in Kontakt kommen. Daher haben manche von uns im Winter da tatsächlich einen Mangel an Vitamin D. Das kann zum Beispiel das Risiko für Arthrose und Osteoporose erhöhen.

Aber bei Corona? Aktuelle Studien, so sagen Experten, reichten nicht für eine Empfehlung für Vitamin D im Kampf gegen die Pandemie aus. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung drückt es so aus: Die Ergebnisse seien unzureichend, „um eine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachzuweisen“.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 01. Mai 2021 | 10:10 Uhr

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